Das Kreuz im Christentum: Bedeutung und verschiedene Formen

Stilisiertes schlichtes Kreuz vor einem hellen Lichtkreis in einer Abendlandschaft

Das Kreuz ist für Christen wichtig, weil es an Jesu Kreuzigung erinnert und mit dem Glauben an Gottes Liebe, Vergebung und Versöhnung verbunden ist. Zur christlichen Deutung gehört zugleich Jesu Auferstehung. Das Kreuz steht deshalb nicht isoliert für einen Tod, sondern innerhalb der Geschichte von Leiden, Tod und neuem Leben.

Ein schlichtes Kreuz, ein Kruzifix mit Christusfigur und ein aufwendig verziertes Prozessionskreuz sehen unterschiedlich aus. Um sie zu verstehen, lohnt ein Blick darauf, was die Bibel erzählt und wie konkrete Kirchen und Gemeinschaften mit diesen Formen umgehen.

Was geschah nach der Darstellung des Markusevangeliums?

Markus 15,21–39 schildert, wie Jesus nach Golgotha gebracht, gekreuzigt und verspottet wird. Simon von Kyrene muss sein Kreuz tragen. Die Inschrift nennt den gegen Jesus erhobenen Anspruch, König der Juden zu sein.

Die Erzählung beschreibt zunächst ein Hinrichtungsinstrument. Zugleich zeigt sie Angst, Spott und Jesu Klage der Verlassenheit. Diese greift den Anfang von Psalm 22 auf. Beim Tod Jesu erkennt der anwesende Hauptmann ihn als Gottes Sohn.

Deshalb können christliche Bilder sowohl Leiden als auch Offenbarung betonen. Zum Verständnis gehört aber mehr als die sichtbare Form: Wie deuten die biblischen Autoren diesen Tod?

Warum verbinden Christen damit Liebe und Hoffnung?

Paulus bezeichnet in 1. Korinther 1,18–25 Christus als den Gekreuzigten als Mitte seiner Verkündigung. Er weiß, dass diese Botschaft anderen widersinnig oder anstößig erscheint. Für Glaubende wird gerade darin Gottes Kraft und Weisheit erkennbar.

Römer 5,6–11 spricht von Gottes Liebe zu Menschen, die Sünder und Feinde sind, und von Versöhnung durch den Tod seines Sohnes. Der Gedanke ist nicht, Menschen müssten zuerst vollkommen sein, bevor Gott sich ihnen zuwendet.

In Kolosser 2,13–15 erscheinen weitere Bilder: Vergebung, eine beseitigte Schuldschrift und entmachtete feindliche Gewalten. Das Kreuz wird mit Befreiung und Sieg verbunden.

Diese Texte setzen verschiedene Schwerpunkte. „Versöhnung“ erklärt etwas anderes als das Bild überwundener Mächte. Wer beides zusammenliest, versteht besser, warum Kirchen auf unterschiedliche Weise vom Heil durch Christus sprechen.

Was ist der Unterschied zwischen Kreuz und Kruzifix?

Ein Kruzifix zeigt die Figur des gekreuzigten Christus am Kreuz. Ein Kreuz ohne Figur kann ebenfalls an seinen Tod erinnern. Aus der fehlenden Figur allein lässt sich nicht ablesen, dass einer Gemeinschaft Jesu Leiden unwichtig wäre.

Für die katholische Messe fordert die Grundordnung des Römischen Messbuchs, Nummer 308, ein gut sichtbares Kreuz mit der Figur des Gekreuzigten auf oder nahe dem Altar. Es soll das erlösende Leiden Jesu in Erinnerung rufen.

Hier gehört das Objekt zum gemeinsamen Gottesdienst. Dasselbe Werk in einer Ausstellung begegnet uns zunächst als Kunstgegenstand mit Material und Geschichte. Beides sind mögliche Zugänge, aber nicht dieselbe Situation.

Warum behandeln nicht alle Christen Bilder gleich?

Der katholische Katechismus, Nummer 2132, unterscheidet die Verehrung einer Darstellung von der Anbetung, die allein Gott zukommt. Die Ehrung bezieht sich auf die dargestellte Person, nicht auf Material als solches.

Eine andere Position enthält der Große Westminster-Katechismus, Frage 109, ein reformierter Bekenntnistext. Er lehnt Darstellungen Gottes ab, auch Darstellungen einzelner Personen der Dreifaltigkeit. Darin liegt ein religiöser Grund für die Ablehnung von Christusbildern in dieser Tradition.

Die einfache Formel „Protestanten ohne Bilder, alle anderen mit Bildern“ wäre deshalb zu grob. Hilfreicher ist, die konkrete Kirche und ihre Begründung zu kennen. Unterschiede im Umgang mit dem Kreuz sind auch Unterschiede im Verständnis von Gottesdienst und Darstellung.

Was bedeutet der zusätzliche schräge Balken?

Manche orthodoxen Kreuze haben unter dem großen Querbalken einen weiteren schrägen Balken. In einer Betrachtung der Orthodox Church in America erklärt Priester Vladimir Berzonsky die russische Kreuzform mit den beiden neben Jesus gekreuzigten Verbrechern und ihren unterschiedlichen Reaktionen.

Seine Auslegung verbindet das Zeichen mit Umkehr, Gericht und Hoffnung auf das Paradies. Sie richtet den Blick damit auch auf das Leben des Betrachters. Das ist eine religiöse Deutung in einem bestimmten Zusammenhang, keine bloße technische Erklärung eines zusätzlichen Holzstücks.

Wie wird ein Kreuz in einer Prozession verwendet?

Ein äthiopisches Prozessionskreuz im Metropolitan Museum stammt aus dem 13. bis frühen 14. Jahrhundert. Seine Metallform verbindet ein großes zentrales Kreuz mit weiteren kleinen Kreuzen in vier rundlichen Feldern.

Nach der Museumserklärung werden solche Kreuze auf Stäben bei Zeremonien und Festen getragen. Das Zeichen gehört damit zu Bewegung und gemeinsamer Feier. Zugleich macht das Beispiel sichtbar, dass die Geschichte christlicher Kreuze auch zur afrikanischen Kirchengeschichte gehört.

Was heißt es, sein Kreuz auf sich zu nehmen?

In Lukas 9,23–25 verbindet Jesus das tägliche Aufnehmen des Kreuzes mit Selbstverleugnung und Nachfolge. Die Aussage betrifft eine Lebensausrichtung: Was ist einem wichtiger als der Gewinn der ganzen Welt?

Das Symbol führt damit auch zu Fragen des Handelns. Es geht nicht nur darum, ein Zeichen zu tragen oder seine Geschichte zu kennen, sondern darum, wie jemand als Christ leben möchte.

Welche Verantwortung gehört zur Darstellung der Kreuzigung?

Die Geschichte darf nicht zur pauschalen Schuldzuweisung an Juden benutzt werden. Die katholische Erklärung Nostra aetate, Abschnitt 4, weist ausdrücklich zurück, Jesu Leiden unterschiedslos allen damaligen Juden oder heutigen Juden anzulasten. Sie verurteilt Antisemitismus.

Wie eine Geschichte erzählt wird, hat Folgen für den Umgang mit Menschen. Zum Verständnis des Kreuzes gehören deshalb sowohl biblische Aussagen über Liebe und Versöhnung als auch Verantwortung bei ihrer Weitergabe.

Wer ein Kreuz genauer betrachtet, kann drei Fragen stellen: Welche Seite der Jesusgeschichte wird hervorgehoben? Welche Kirche oder Gemeinschaft verwendet es? Und was geschieht damit im Gottesdienst oder Alltag? So wird aus der bekannten Form ein verständlicherer Zugang zum christlichen Glauben.

Veröffentlicht von ki-lian. Über unseren Redaktionsprozess.

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