Die fünf Säulen des Islam: Bedeutung und Praxis

Stilisierte Moschee mit Kuppeln und Minaretten im Abendlicht

Die fünf Säulen des Islam sind das Glaubenszeugnis, das regelmäßige Gebet, die verpflichtende Abgabe Zakat, das Fasten im Ramadan und die Pilgerfahrt nach Mekka für Menschen, die dazu in der Lage sind. Sie verbinden Glauben mit wiederkehrenden Handlungen und Verantwortung für andere.

Man kann sie sich als Grundstruktur vorstellen: eine Überzeugung aussprechen, den Tag durch Gebet gestalten, Besitz mit Verpflichtungen verbinden, einen Monat fasten und unter bestimmten Voraussetzungen pilgern. Jede Säule hat dabei eigene Regeln. Die Liste erklärt viel, aber nicht den gesamten Islam.

Woher kommt die bekannte Fünferliste?

Die Überlieferung Sahih al-Bukhari 8 beschreibt Islam als auf fünf Grundlagen gebaut. Die Aufzählung ist besonders aus sunnitischen Einführungen bekannt.

Im Gabriel-Hadith werden außerdem Glaubensüberzeugungen und die innere Haltung beim Verehren Gottes unterschieden. Zu den Überzeugungen gehören etwa Gott, Engel, Offenbarungsschriften und der Jüngste Tag. Das zeigt: Fünf wichtige Handlungen sind nicht dasselbe wie eine vollständige Glaubenslehre.

Andere muslimische Traditionen ordnen Lehre und Praxis teilweise anders. Eine zwölferschiitische Einführung unterscheidet zum Beispiel „Wurzeln“ des Glaubens und „Zweige“ der Praxis. Gebet, Fasten, Zakat und Pilgerfahrt werden dadurch nicht einfach abgelehnt.

1. Schahada: Wozu bekennt man sich?

Die Schahada, das Glaubenszeugnis, bekennt den einen Gott und Muhammad als seinen Gesandten. „Allah“ ist das arabische Wort für Gott. Muhammad wird dabei nicht als zweiter Gott neben ihm verehrt.

Das Zeugnis gibt den übrigen Säulen ihren religiösen Zusammenhang. Beten, Geben, Fasten und Pilgern sind Handlungen vor Gott. Eine solche Erklärung sagt allerdings nicht, dass jeder Mensch seine Überzeugungen jederzeit vollkommen lebt. Ein Bekenntnis und das tatsächliche Verhalten sind zwei unterschiedliche Dinge.

2. Salat: Warum wird mehrmals am Tag gebetet?

Das vorgeschriebene Gebet heißt Salat. Die fünf täglichen Gebete gehören zur Morgendämmerung, zur Mittagszeit, zum Nachmittag, zur Zeit nach Sonnenuntergang und zum Abend. Sie bilden eine regelmäßige Ausrichtung auf Gott im Tageslauf.

Koran 20,14 verbindet das Gebet mit dem Gedenken an Gott. Zur vorgeschriebenen Form gehören Rezitation und Körperhaltungen wie Stehen, Verbeugen und Niederwerfen. Persönliche Bitten, Dua, sind davon zu unterscheiden.

Auch außerhalb einer Moschee kann gebetet werden. Die Anforderungen an Vorbereitung, Gebetsrichtung und Form bleiben dabei wichtig. Fünf Gebete bedeuten zudem nicht in jeder Rechtstradition fünf vollständig getrennte Zusammenkünfte. Der zwölferschiitische Gelehrte Sistani nennt ausdrücklich fünf tägliche Pflichtgebete; bestimmte Gebete können im schiitischen Alltag unmittelbar nacheinander erfolgen.

Mehr zur Bedeutung von Salat und Dua erklärt unser deutscher Gebetsratgeber.

3. Zakat: Muss jeder pauschal Geld abgeben?

Zakat ist eine verpflichtende Abgabe unter bestimmten Voraussetzungen. Sie unterscheidet sich von einer freiwilligen Spende, der Sadaqa. Nicht jeder Mensch schuldet deshalb einfach einen festen Prozentsatz aller Einnahmen.

Für bestimmtes abgabepflichtiges Geldvermögen ist die Rate von 2,5 Prozent bekannt. Eine Erklärung von Ägyptens Dar al-Ifta aus dem Jahr 2025 nennt dafür eine Mindestgrenze, das Verstreichen eines Mondjahres und weitere Bedingungen, darunter den notwendigen Lebensbedarf. Die Einzelheiten hängen von Vermögensarten und rechtlicher Auslegung ab.

Ein reines Rechenbeispiel: Sind nach den einschlägigen Regeln bereits 10.000 Geldeinheiten als abgabepflichtige Grundlage festgestellt, entsprechen 2,5 Prozent davon 250. Die Rechnung selbst entscheidet noch nicht, ob jemand diese 10.000 ansetzen muss oder überhaupt Zakat schuldet.

Koran 9,60 benennt Empfängergruppen, darunter Arme, Bedürftige, mit der Verwaltung Beauftragte, Verschuldete und bedürftige Reisende. Nicht jeder gute Zweck wird dadurch automatisch zu einer zulässigen Zakat-Ausgabe.

Die soziale Richtung ist klar: Besitz bringt Verantwortung mit sich. Das ist ein religiöses Anliegen, keine Behauptung, dass Armut durch jede tatsächliche Verteilung schon beseitigt werde.

4. Saum: Was bedeutet das Fasten im Ramadan?

Saum heißt Fasten. Im Ramadan verzichten Fastende von der Morgendämmerung bis Sonnenuntergang unter anderem auf Essen, Trinken und Geschlechtsverkehr. Koran 2,183 verbindet die Verpflichtung mit Gottesbewusstsein; Vers 187 beschreibt die tägliche Grenze und die Erlaubnis für die Nacht.

Fasten ist deshalb mehr als die Entscheidung, zu einer anderen Uhrzeit zu essen. Es gehört zu einem religiösen Monat mit Gebet, Aufmerksamkeit und Selbstdisziplin.

Zu den Regeln gehören zugleich Ausnahmen. Vers 185 spricht Krankheit und Reisen an und nennt das spätere Nachholen versäumter Tage. Vers 184 gehört zum Hintergrund der Erörterungen über Belastung und Ersatzleistungen. Wie das im Einzelfall angewendet wird, erläutern Rechtsgelehrte.

Wer während des Ramadan jemanden essen sieht, kennt dessen Umstände daher nicht automatisch. Mehr zu Bedeutung und unterschiedlichen Situationen steht im Ramadan-Ratgeber.

5. Haddsch: Muss wirklich jeder nach Mekka?

Die Pilgerfahrt Haddsch ist an die Fähigkeit gebunden, sie zu unternehmen. Das sagt Koran 3,97 ausdrücklich. Es geht nicht darum, ungeachtet der eigenen Mittel und Umstände eine Reise antreten zu müssen.

Zum Haddsch gehören vorgeschriebene Riten zu einer bestimmten Zeit. Der offizielle Nusuk-Leitfaden beschreibt etwa das Umrunden der Kaaba, den Weg zwischen Safa und Marwa, den Aufenthalt in Arafat sowie weitere Stationen. Der Tag von Arafat liegt am 9. Dhu al-Hiddscha.

Ihram bezeichnet einen Weihezustand mit besonderen Beschränkungen. Die bekannte Kleidung der Männer ist ein Bestandteil dieses Zusammenhangs, nicht die ganze Bedeutung des Wortes. Frauen tragen nicht dieselben vorgeschriebenen Gewänder wie Männer.

Die gemeinsamen Riten bringen Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammen. Das religiöse Ideal der Gleichheit vor Gott bedeutet trotzdem nicht, dass Alter, Vermögen oder unterschiedliche Bedürfnisse während der Reise verschwinden.

Sind damit alle wichtigen Pflichten genannt?

Nein. Gerechtigkeit, Lernen, familiäre Verantwortung und der Umgang mit anderen bleiben wichtig. Auch ein wichtiger religiöser Begriff wird nicht allein deshalb zur sechsten Säule der klassischen Fünferliste.

Beim Kennenlernen einer Praxis hilft deshalb eine einfache Frage: Geht es um eine der Säulen, um deren genaue Durchführung, um eine weitere Verpflichtung oder um einen örtlichen Brauch? Wer dann noch die Tradition und Quelle kennt, bekommt ein klareres Bild vom gelebten Islam.

Veröffentlicht von ki-lian. Über unseren Redaktionsprozess.

Schreibe einen Kommentar