Ingenieurwissenschaften studieren, Religionskurse besuchen und sich zugleich an einen religiösen Verhaltenskodex halten: An der Brigham Young University gehört das zusammen. Die private Universität in Provo im US-Bundesstaat Utah wird von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage getragen.

Umgangssprachlich wird sie manchmal als „Mormonen-Universität“ bezeichnet. Ihr Name wird meist zu BYU abgekürzt. Wer verstehen möchte, was sie besonders macht, sollte auf Studienplan, Zulassung und Alltag schauen. Ihre religiöse Ausrichtung bleibt nicht auf freiwillige Andachten beschränkt.
Wie groß ist die BYU, und woher kommt sie?
Für den Herbst 2026 meldet die Universität selbst 37.874 Studierende im regulären Tagesstudium. Davon entfallen 34.792 auf grundständige und 3.082 auf weiterführende Studiengänge. Diese Zahlen beschreiben eine bestimmte Erhebung und sind keine zeitlose Größe.
Die Einrichtung geht auf eine Gründung von 1875 zurück. Das Religious Studies Center erklärt, dass bereits die Gründungsurkunde der damaligen Brigham Young Academy Unterricht aus der Bibel, dem Buch Mormon und weiteren Schriften der Kirche vorsah. Religion kam also nicht erst später als Zusatzangebot hinzu.
In ihrer heutigen Zielbeschreibung verbindet die Universität geistige Entwicklung, religiösen Glauben, Charakterbildung und Dienst an anderen. Das beschreibt ihren eigenen Bildungsanspruch. Welche Bedingungen für Studierende tatsächlich gelten, zeigen die konkreten Studien- und Verhaltensregeln.
Muss man dort Religion studieren?
Man muss Religion nicht als Hauptfach wählen. Religionskurse gehören aber zum grundständigen Studium. Der Studienkatalog nennt für Vollzeitstudierende grundsätzlich 14 amerikanische Semester-Credit-Hours in Religion. Das sind Studienleistungen des US-Systems, keine 14 wöchentlichen Unterrichtsstunden und keine automatische ECTS-Umrechnung.
Die Kernanforderungen umfassen unter anderem das Buch Mormon, Jesus Christus, die Familie und die Geschichte sowie Lehre der kirchlichen Wiederherstellungsbewegung. Bei einem Wechsel von einer anderen Hochschule gelten abgestufte Anforderungen. Wer beispielsweise 15 bis 29,9 anrechenbare Credit-Hours mitbringt, findet in der Tabelle zwölf Religions-Credit-Hours an der BYU.
Praktisch heißt das: Wer Laborpraktika oder eine Folge aufeinander aufbauender Fachkurse plant, muss auch diese Religionsleistungen im Stundenplan berücksichtigen. Andachten und öffentliche Vorträge sind zusätzliche Formen des Campuslebens und nicht einfach dasselbe wie benotete Kurse.
Können Menschen anderer Religionen dort studieren?
Ja. Die Zulassungsordnung beschränkt Bewerbungen nicht auf Angehörige der tragenden Kirche. Die Verpflichtung auf die geltenden Verhaltensstandards gehört jedoch zu den Bedingungen.
Hinzu kommt eine kirchliche beziehungsweise religiöse Bestätigung, auf Englisch ecclesiastical endorsement. Für fortgesetzt eingeschriebene Studierende ist sie grundsätzlich für jedes neue akademische Jahr erforderlich. Die Regelung zum Studierendenstatus nennt für Nichtmitglieder mehrere Wege, darunter den nicht konfessionsgebundenen Hochschulseelsorger.
Die Ordnung unterscheidet dabei zwischen Menschen, die nicht Mitglied der Kirche sind, und solchen, die ihre Mitgliedschaft aufgegeben haben. Für Letztere sieht sie keine Berechtigung für diese Bestätigung vor. Diese Unterscheidung kann für Betroffene erheblich sein und sollte bei einer Studienentscheidung nicht übersehen werden.
Was verlangt der Honor Code?
Der Honor Code in seiner am 5. Dezember 2025 überarbeiteten Fassung verlangt unter anderem Ehrlichkeit, regelmäßige Gottesdienstteilnahme und den Verzicht auf Alkohol, Tabak, Tee und Kaffee. Dazu kommen weitere Vorgaben, etwa zu Drogen und persönlichem Verhalten.
Die sexuellen Verhaltensregeln beschränken sexuelle Beziehungen auf die Ehe zwischen Mann und Frau. Auch gleichgeschlechtliches romantisches Verhalten wird ausgeschlossen. Für Kleidung und äußeres Erscheinungsbild verweist der Kodex auf zusätzliche Standards. Die Verpflichtungen betreffen das Leben auf dem Campus und außerhalb.
Hier geht es um die tatsächlichen Anforderungen dieser Universität. Ein lockerer Hinweis auf ihre „christlichen Werte“ würde ihre konkreten Auswirkungen auf Studierende nur unzureichend erklären.
Reichen gute Noten für den Abschluss?
Nein. Die Abschlussordnung und die Regeln zum Studierendenstatus verlangen neben akademischen Leistungen auch einen entsprechenden institutionellen Status. Eine entzogene oder nicht erneuerte religiöse Bestätigung kann die weitere Einschreibung und den Abschluss verhindern. Für fortgesetzt Studierende beschreibt die Ordnung ein Verfahren für einen Ausnahmeantrag.
Noten und religiöse Bestätigung sind damit zwei unterschiedliche Voraussetzungen. Ein vollständig bestandener Studienplan erledigt die zweite Frage nicht automatisch.
Was ist mit Onlinekursen?
Die BYU unterscheidet zwei Angebote: BYU Online bietet semestergebundene Kurse für bereits eingeschriebene BYU-Studierende. Independent Study ermöglicht einzelne Kurse über einen getrennten Anmelde- und Bezahlweg und richtet sich auch an Menschen außerhalb eines BYU-Studiengangs.
Wer an einer anderen Hochschule studiert, sollte die Anerkennung eines solchen Einzelkurses mit dieser Hochschule klären. Ein Onlinekurs und die Aufnahme eines vollständigen Studiums in Provo sind unterschiedliche Vorhaben. Das Beitragsbild ist eine freie Campusillustration, keine verlässliche Ansicht eines bestimmten BYU-Gebäudes.
Veröffentlicht von ki-lian. Über unseren Redaktionsprozess.




