Was bedeutet die Taufe? Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Christentum

Illustration einer Person im Taufwasser vor einem Kreuz in einem Kirchenraum

Bei einer Taufe wird ein Mensch mit Wasser getauft und in die christliche Gemeinschaft aufgenommen. Christen verbinden damit Jesus Christus, Vergebung und einen neuen Lebensweg. Wie sie diese Verbindung verstehen, unterscheidet sich jedoch. Deshalb kann eine Babytaufe in einer katholischen Kirche anders aussehen als die Taufe eines Erwachsenen in einer baptistischen Gemeinde.

Die wichtigste Frage lautet nicht nur: Wie viel Wasser wird verwendet? Ebenso wichtig ist, wer getauft wird, was die Kirche dabei als Gottes Handeln versteht und wie der Glaube danach weiterwachsen soll. Die Feier ist ein Anfang mit Folgen für das weitere Leben.

Was hat die Taufe mit Jesus zu tun?

Das Matthäusevangelium 3,13–17 erzählt, wie Jesus zu Johannes an den Jordan kommt. Johannes zögert zunächst. Nach der Taufe schildert der Text den herabkommenden Geist und eine himmlische Stimme, die Jesus als geliebten Sohn bezeichnet.

Am Ende desselben Evangeliums steht der Auftrag, Menschen zu Jüngern zu machen, sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes zu taufen und sie zu lehren, Jesu Weisungen zu befolgen. Matthäus 28,18–20 verbindet damit Taufe und Lernen. Es geht um mehr als einen abgeschlossenen Festtermin.

In Apostelgeschichte 2,37–42 verbindet Petrus Umkehr und Taufe mit Vergebung und der Gabe des Heiligen Geistes. Anschließend bleiben die Getauften bei Lehre, Gemeinschaft, gemeinsamen Mahlzeiten und Gebet. Das persönliche Ja steht also in einem gemeinschaftlichen Zusammenhang.

Warum wird von Sterben und neuem Leben gesprochen?

Paulus erklärt die Taufe in Römer 6 durch die Verbindung mit Jesu Tod und Auferstehung. Der alte, von Sünde geprägte Lebensweg soll nicht einfach unverändert fortgesetzt werden. Der Getaufte ist zu einem erneuerten Leben gerufen.

Das ist keine Behauptung, dass ein getaufter Mensch anschließend nie mehr Fehler macht. Paulus fragt gerade nach dem Verhalten: Darf man einfach weiter Unrecht tun, weil es doch Gnade gibt? Seine Antwort ist entschieden ablehnend. Das Bild des neuen Lebens meint auch verändertes Handeln.

Wie wurde in frühen Gemeinden getauft?

Eine frühe christliche Gemeindeordnung, die Didache, Kapitel 7, nennt Unterricht vor der Taufe und bevorzugt fließendes Wasser. Sie lässt aber auch anderes Wasser zu und beschreibt das dreimalige Übergießen des Kopfes, wenn die anderen Möglichkeiten fehlen. Vorher sollen die beteiligten Personen fasten.

Schon dieser Text befasst sich also mit praktischen Bedingungen. Nicht jede Gemeinde hatte dieselben Wasserstellen und Möglichkeiten. Die Anweisungen belegen eine frühe Praxis, ohne damit den Ablauf aller damaligen Gemeinden festzulegen.

Was meinen Kirchen mit Sakrament?

Wenn eine Kirche die Taufe ein Sakrament nennt, betont sie Gottes wirksames Handeln durch die Feier. Die Taufe ist aus dieser Sicht nicht nur ein bewegendes Zeichen menschlicher Zugehörigkeit. Welche Wirkung genau gemeint ist, erklärt die jeweilige Tradition.

Nach dem katholischen Katechismus, Absätze 1262–1274, bringt die Taufe Vergebung, neues Leben im Heiligen Geist und die Eingliederung in Christus und die Kirche. Sie verleiht eine bleibende geistliche Zugehörigkeit und wird nicht wiederholt. Menschliche Schwächen und der Kampf gegen falsches Handeln bleiben dennoch bestehen.

Die Orthodox Church in America erläutert die Teilnahme an Christi Tod und Auferstehung anhand ihres Taufablaufs. Dazu gehören das Bekenntnis des Glaubens, die Absage an Satan, die Segnung von Wasser und Öl sowie das dreimalige Untertauchen im Namen der Dreieinigkeit. Ein weißes Gewand steht für das neue Leben.

Wie erklären Lutheraner und Methodisten die Taufe?

Das lutherische Augsburger Bekenntnis, Artikel IX, spricht von der durch die Taufe angebotenen Gnade Gottes und befürwortet ausdrücklich die Taufe von Kindern. Luthers Großer Katechismus erklärt den Zusammenhang von Wasser und Gottes Wort: Die Bedeutung liegt nicht darin, dass gewöhnliches Wasser für sich allein besondere Kräfte hätte.

Die United Methodist Church versteht die Taufe ebenfalls als Mittel der Gnade und Beginn eines Wachstumsprozesses. Sie akzeptiert Untertauchen, Übergießen und Besprengen mit Wasser im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Eine anerkannte christliche Taufe wird nicht wiederholt. Die weitere Antwort des Menschen im Glauben bleibt wichtig.

Was ist bei Baptisten anders?

Der Baptist Faith and Message, Artikel VII, beschreibt für die Southern Baptists das Untertauchen eines Menschen, der bereits glaubt. Die Taufe ist ein gehorsames Zeugnis des Glaubens an den gestorbenen und auferstandenen Christus und des veränderten Lebens.

Das Bekenntnis bezeichnet sie als von Christus angeordnete Handlung, auf Englisch ordinance. Es nennt sie außerdem als Voraussetzung für die entsprechenden Mitgliedschaftsrechte und die Teilnahme am Abendmahl. Symbolisch bedeutet hier also keineswegs unwichtig.

Für das Verständnis hilft die Reihenfolge: In dieser baptistischen Erklärung steht das persönliche Glaubensbekenntnis vor der Taufe. Bei der Kindertaufe wird die Beziehung von Gnade, Glaube und Gemeinschaft anders geordnet.

Warum lassen andere Kirchen schon Babys taufen?

Der katholische Katechismus, Absätze 1246–1255, sieht darin ein Geschenk der Gnade. Eltern, Paten und Gemeinde sollen dem Kind helfen, im Glauben aufzuwachsen. Auch bei Erwachsenen muss der Glaube nach der Taufe weiter wachsen.

Die United Methodist Church erklärt in By Water and the Spirit ebenfalls, dass die Kindertaufe vor allem Gottes Geschenk ist. Sie unterscheidet dies von einer bloßen menschlichen Widmung. Die Taufe soll jedoch nicht als automatische Rettung ohne späteren persönlichen Glauben missverstanden werden.

Der Unterschied lautet deshalb nicht: Die einen nehmen Glauben ernst, die anderen verzichten darauf. Die Kirchen beantworten verschieden, wie Gottes Zusage, die Antwort des Einzelnen und die Unterstützung durch die Gemeinschaft zusammengehören.

Welche Verantwortung übernehmen Paten und Gemeinde?

Bei einer Erwachsenentaufe kann die Vorbereitung Gespräche, Unterricht und das Kennenlernen des Gemeindelebens umfassen. Bei einem Kind übernehmen Erwachsene Aufgaben, die nach der Feier fortbestehen. Die orthodoxe Erklärung nennt den Paten beispielsweise als jemanden, der für das Kind spricht und sich um dessen geistliches Leben kümmert.

Im Alltag kann Unterstützung heißen, Fragen zuzulassen, gemeinsam zu lernen und das Kind in das Gemeindeleben einzubeziehen. Ein schönes Taufgeschenk ersetzt diese Begleitung nicht.

Was passiert beim Wechsel in eine andere Kirche?

Dann wird die Anerkennung der früheren Taufe wichtig. Der ökumenische Lima-Text von 1982, Abschnitt Taufe, sucht Gemeinsamkeiten und benennt verbleibende Unterschiede. Er spricht von der Einmaligkeit der Taufe und verbindet Kinder- wie Glaubenstaufe mit weiterer Begleitung. Als Verständigungstext ist er keine automatisch für jede Konfession geltende Vorschrift.

Eine Erneuerung der Taufversprechen ist dort, wo die frühere Taufe anerkannt wird, etwas anderes als eine erneute Taufe. Bei einem konkreten Wechsel sollte die aufnehmende Gemeinde erklären, was sie anerkennt und welche weiteren Schritte vorgesehen sind. So bleibt klar, was die Taufe bedeutet und wie das Leben mit ihr weitergeht.

Veröffentlicht von ki-lian. Über unseren Redaktionsprozess.

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