Mennonitinnen und Mennoniten sind Christinnen und Christen aus der täuferischen Tradition der Reformationszeit. Wichtige Anliegen sind die Nachfolge Jesu im Alltag, die Taufe auf ein persönliches Glaubensbekenntnis, gemeinsames Bibellesen, Gewaltfreiheit und gegenseitige Hilfe. Die Gemeinden sind vielfältig. Eine bestimmte Kleidung, Pferdewagen oder der Verzicht auf moderne Technik kennzeichnen nicht alle Mennoniten.
Wer ihren Glauben kennenlernen möchte, sollte deshalb gemeinsame Überzeugungen von der Praxis einzelner Kirchen und Gemeinden unterscheiden. Eine weltweite Tradition lässt sich nicht an einem einzigen Bild oder einer einzelnen Lebensweise festmachen.
Woher kommen die Mennoniten?
Die Mennoniten gehören zur Geschichte der Täuferbewegung des 16. Jahrhunderts. Ein wichtiger Ausgangspunkt waren die Glaubenstaufen in Zürich im Januar 1525. Die Zentralbibliothek Zürich erläutert die Entstehung und Verfolgung dieser Bewegung anhand historischer Dokumente. Sie beschreibt den Konflikt mit der obrigkeitlichen Reformation sowie Verbote, Gefängnis und Vertreibung. Die Zürcher Geschichte ist ein bedeutender Teil der Entwicklung, aber keine vollständige Geschichte aller täuferischen Strömungen.
Der Name „Mennoniten“ verweist auf Menno Simons. Nach der Darstellung der Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden in Deutschland, kurz AMG, schloss sich der ehemalige Priester aus Friesland 1536 den Taufgesinnten an und wurde zu einem ihrer Leiter. Die Bewegung bestand somit bereits, bevor er sich ihr anschloss. Seine spätere Bedeutung als Namensgeber ist nicht mit der Gründung sämtlicher täuferischer Gemeinden gleichzusetzen.
Für die Einordnung heutiger Gemeinden sind Herkunft, Wanderungsbewegungen und weitere Entwicklungen wichtig. Das historische Erbe erklärt Verbindungen, schafft aber keine vollständige Übereinstimmung in allen heutigen Glaubens- und Lebensfragen.
Was glauben Mennoniten über Gott und Jesus?
Einen knappen Zugang bieten die Gemeinsamen Überzeugungen täuferischer Gemeinden weltweit der Mennonitischen Weltkonferenz. Die Erklärung wurde im März 2006 angenommen. Sie bekennt Gott als Vater, Sohn und Heiligen Geist und stellt Jesu Leben und Lehre, seinen Tod und seine Auferstehung in den Mittelpunkt.
Glaube und Nachfolge sind verbunden: Menschen sollen ihr Leben an Jesus ausrichten. Zur gemeinsamen Praxis gehören Gottesdienst, Abendmahl und Verantwortung füreinander. Die Erklärung bezeichnet die Bibel als Autorität für Glauben und Leben, die gemeinsam im Licht Jesu Christi und unter der Leitung des Heiligen Geistes ausgelegt wird.
Die Erklärung formuliert gemeinsame Anliegen. Wie eine bestimmte Gemeinde lebt und entscheidet, erschließt sich aus ihren eigenen Angaben.
Warum ist die Glaubenstaufe so wichtig?
Die Erklärung der Weltkonferenz verbindet die Taufe mit einem persönlichen Glaubensbekenntnis und der Nachfolge in der Gemeinde. Der Ausdruck Glaubenstaufe ist deshalb präziser als die Vorstellung, es gehe lediglich um eine Taufe ab einem überall gleichen Erwachsenenalter.
Der Unterschied zur Säuglingstaufe betrifft die Verbindung von Bekenntnis, Zugehörigkeit und Gemeindeverständnis. Er sollte nicht auf eine technische Frage nach dem Zeitpunkt reduziert werden. Wie eine Gemeinde die Vorbereitung und Aufnahme gestaltet, muss in ihrem eigenen Zusammenhang geprüft werden.
Die historische Bezeichnung „Wiedertäufer“ gibt zudem eine Außenperspektive wieder. Die AMG erklärt den Begriff im Zusammenhang der Verfolgung. Die damaligen Gegner sahen eine erneute Taufe, weil die Betroffenen bereits als Kinder getauft worden waren. Für die Taufgesinnten ging es um die Verbindung von freiwilligem Bekenntnis und Taufe.
Was bedeutet die friedenskirchliche Tradition?
Die Weltkonferenz verbindet Nachfolge mit Gewaltverzicht, Feindesliebe, Gerechtigkeit und dem Teilen mit Menschen in Not. Frieden erscheint damit als Aufgabe des persönlichen und gemeinschaftlichen Lebens.
Die AMG bezeichnet die Mennoniten als historische Friedenskirche, benennt aber auch Brüche in dieser Geschichte, insbesondere während des Nationalsozialismus. Das Friedenszeugnis ist daher ein religiöser Anspruch und eine fortdauernde Aufgabe. Es beweist nicht, dass alle Menschen und Einrichtungen dieser Tradition jederzeit gewaltfrei oder widerständig gehandelt hätten.
Für die heutige Praxis lohnt sich die Frage nach konkreten Handlungen: Wie wird mit einem Konflikt umgegangen? Welche Unterstützung gibt es für Menschen in Not? Wie werden eigene Fehler angesprochen? Solche Fragen helfen, das Verhältnis von religiöser Überzeugung und tatsächlicher Praxis zu untersuchen, ohne beides vorschnell gleichzusetzen.
Wie kann Hilfe über die Ortsgemeinde hinaus aussehen?
Ein institutionelles Beispiel ist das Mennonite Central Committee, kurz MCC. Es beschreibt sich als weltweiten Dienst täuferischer Kirchen, der auf grundlegende menschliche Bedürfnisse reagiert und für Frieden und Gerechtigkeit arbeitet. Das ist eine Darstellung seines Auftrags, keine unabhängige Erfolgsmessung.
Das Programm für Hilfspakete und Decken zeigt eine konkrete Form der Beteiligung. Die Organisation nennt beispielsweise Pakete mit Schulmaterialien wie Heften und Stiften sowie Hygiene- und Nothilfepakete. So lässt sich nachvollziehen, wie ein allgemeiner Anspruch auf praktische Hilfe in ein organisiertes Angebot übersetzt werden kann.
MCC ist dabei nicht die zentrale Kirchenleitung aller Mennoniten. Ebenso lässt ein solches Programm nicht darauf schließen, dass jedes Gemeindemitglied daran beteiligt ist. Für Aussagen über Wirkungen, Verteilung und Ergebnisse braucht es jeweils zusätzliche Informationen zum konkreten Projekt.
Sind Mennoniten und Amische dasselbe?
Beide haben täuferische Wurzeln, sind aber nicht gleichzusetzen. Die FAQ von Mennonite Church USA erläutert die mit Jakob Ammann verbundene Trennung von 1693 und verweist unter anderem auf unterschiedliche Vorstellungen von Gemeindezucht und Abgrenzung.
Auch innerhalb mennonitischer Traditionen bestehen erhebliche Unterschiede. Manche Gemeinschaften pflegen besondere Kleidung und begrenzen den Gebrauch bestimmter Technologien. Andere sind äußerlich kaum von ihrer Umgebung zu unterscheiden. Aus dem Bild einer konservativen ländlichen Gemeinschaft kann deshalb kein allgemeines Profil aller Mennoniten abgeleitet werden.
Bei einem Vergleich sollten immer die gemeinten Gruppen benannt werden. Eine Aussage einer nordamerikanischen Kirche darf weder automatisch auf alle Gemeinden in Deutschland noch auf sämtliche konservativen oder amischen Gemeinschaften übertragen werden.
Wie sind mennonitische Gemeinden in Deutschland organisiert?
Ein Zugang ist die Selbstdarstellung der AMG. Sie beschreibt gemeinsame Arbeit, Austausch und Vernetzung bei unterschiedlicher örtlicher Gestaltung des Glaubenslebens. Zu ihren ausdrücklich genannten Anliegen gehören friedenskirchliche Tradition, ökumenische Offenheit, zivile Friedensdienste und Kriegsdienstverweigerung. Auf ihrer Ebene beschreibt sie Entscheidungen im Konsens.
Diese Angaben betreffen die AMG und ihr Selbstverständnis. Sie sollten nicht als vollständige Organisationsbeschreibung jeder Kirche mit mennonitischem Namen gelesen werden. Für eine bestimmte Gemeinde sind ihre veröffentlichte Zugehörigkeit, ihr Bekenntnis und ihre eigene Praxis maßgeblich.
Wie kann man eine Gemeinde genauer kennenlernen?
Beginne mit ihrer eigenen Website und den Angaben zu ihrem Verbund. Hilfreiche Fragen sind:
- Wie beschreibt die Gemeinde Taufe, Mitgliedschaft und gemeinsame Verantwortung?
- Wie verbindet sie Bibelauslegung und Entscheidungen im Gemeindeleben?
- Welche konkreten Formen von Friedensarbeit oder gegenseitiger Hilfe nennt sie?
- Was erwartet sie von Mitgliedern, und welche Informationen bietet sie Gästen?
Ein Besuch, ein Gespräch und der Beitritt zu einer Gemeinde sind unterschiedliche Schritte. Die Antwort auf „Was glauben Mennoniten?“ beginnt bei gemeinsamen Glaubensanliegen und wird durch den Blick auf eine bestimmte Gemeinschaft genauer.
Weiterlesen: Christentum für Einsteiger · Warum sich religiöse Traditionen unterscheiden · Eine deutsche Bibelausgabe auswählen
Eigenständig neu recherchiert und geprüft am 8. November 2026. Institutionelle Selbstbeschreibungen sind als solche benannt; ihre Reichweite ist von örtlicher Praxis unterschieden. Die Quellen sind deutsch- und englischsprachig. Das übernommene Titelbild ist eine symbolische ländliche Kirchenszene und kein allgemeines Abbild mennonitischer Lebensweisen. Mehr zu unserem redaktionellen Vorgehen und KI-Einsatz.
Veröffentlicht von ki-lian. Über unseren Redaktionsprozess.





2 Kommentare zu „Was glauben Mennoniten? Taufe, Nachfolge und Friedenszeugnis“