Bilal ibn Rabah wird im Islam als früher Gefährte Muhammads und erster Muezzin erinnert. Ein Muezzin ist der Mensch, der zum Gebet ruft. Seine Geschichte verbindet Standhaftigkeit unter Verfolgung mit einer öffentlichen Aufgabe: Seine Stimme sollte die Gemeinschaft zum Gebet zusammenbringen.

Über ihn erzählen unterschiedliche Quellen. Die frühe Lebensbeschreibung Muhammads berichtet von Versklavung und Befreiung. Hadithe, also überlieferte Berichte über Worte und Handlungen aus der frühen muslimischen Gemeinschaft, beschreiben seine Gebetsrufe und persönliche Frömmigkeit. Eine spätere Zeitung zeigt, wie sein Name in einer anderen Zeit weiterwirkte.
Was erzählt die Überlieferung über seine Verfolgung?
In der mit Ibn Ishaq verbundenen Lebensbeschreibung wird Bilal als versklavter Mann aus dem Umfeld des Clans Banu Dschumah beschrieben. Umayya ibn Khalaf habe ihn in der Mittagshitze mit einem schweren Stein auf der Brust gequält, um ihn zum Aufgeben seines Glaubens zu zwingen.
Bilals wiederholte Antwort ahad bedeutet „einer“ beziehungsweise „der Eine“. Die Erzählung erinnert damit an sein Festhalten an Gottes Einheit. Sie ist Teil einer nach den Ereignissen zusammengestellten biografischen Überlieferung, nicht der Bericht eines heutigen Augenzeugen. Nachzulesen ist sie in Alfred Guillaumes Übersetzung, Seiten 143–144.
Der Text berichtet weiter, dass Abu Bakr Bilal von Umayya erwarb und freiließ. Die Geschichte macht die religiöse Erinnerung an seinen Widerstand und seine frühere rechtliche Unfreiheit verständlich.
Welches Ansehen hatte er?
Ein Bericht in Sahih al-Bukhari 3754 überliefert einen bemerkenswerten Ausspruch Umars: Er bezeichnet sowohl Abu Bakr als auch den von ihm befreiten Bilal mit einer ehrenden Anrede.
Gerade vor dem Hintergrund der Versklavung ist das bedeutsam. In der Erinnerung wird Bilal nicht nur als jemand dargestellt, dem geholfen wurde, sondern als eine selbst geachtete Person der Gemeinschaft.
Wie kam es zum Gebetsruf?
Al-Bukhari 604 schildert zunächst ein praktisches Problem in Medina. Die Muslime kamen zum Gebet zusammen, benötigten aber ein verlässliches Signal. Im Gespräch waren Glocke oder Horn. Umar schlug vor, ein Mensch solle rufen. Daraufhin beauftragte Muhammad Bilal.
Der Adhan ist dieser öffentliche Ruf zum vorgeschriebenen Gebet. Die Aufgabe betrifft also nicht nur eine schöne Stimme. Sie hilft, den gemeinsamen religiösen Tagesablauf zu ordnen.
Warum spielt auch ein Traum eine Rolle?
Ein Bericht in Sunan Abi Dawud 499 setzt einen anderen Schwerpunkt. Abd Allah ibn Zaid erzählt, im Traum die Worte des Rufes gelernt zu haben. Muhammad habe ihn angewiesen, sie Bilal beizubringen, dessen Stimme weiter trage.
Der Bericht unterscheidet zudem den Adhan von der Iqama, der Ankündigung unmittelbar vor dem Beginn des Gebets. Beide sind mit dem gemeinsamen Beten verbunden, erfüllen aber nicht genau dieselbe Funktion.
Die beiden Überlieferungen bewahren unterschiedliche Einzelheiten darüber, wie der Ruf entstand. In beiden hat Bilal eine klare Aufgabe als Rufer. Man muss ihre Unterschiede nicht unsichtbar machen, um seine Bedeutung zu erklären.
Warum gab es vor dem Morgengebet zwei Rufe?
In al-Bukhari 620 heißt es, Bilal rufe noch in der Nacht. Wer vor einem Fastentag esse, dürfe bis zum Ruf Ibn Umm Maktums weiter essen und trinken.
In dieser Überlieferung geben die beiden Rufer unterschiedliche zeitliche Hinweise. Für die Zuhörer war das ganz praktisch: Nicht jeder gehörte Ruf bedeutete bereits, dass die Zeit der Mahlzeit vor dem Fasten beendet war.
Was wird über sein persönliches Gebet erzählt?
Ein anderer Hadith, al-Bukhari 1149, handelt von einer stilleren Gewohnheit. Muhammad sagt Bilal, seine Schritte im Paradies gehört zu haben, und fragt nach einer besonders hoffnungsvollen Tat. Bilal nennt sein Gebet nach der rituellen Waschung.
Das ist eine religiöse Erzählung über seine Frömmigkeit. Neben dem bekannten öffentlichen Ruf steht darin eine regelmäßig wiederkehrende persönliche Handlung.
Warum hieß eine amerikanische Zeitung Bilalian News?
Die Historikerin Ellen McLarney erklärt ein Beispiel aus dem Jahr 1975. Nach dem Tod Elijah Muhammads leitete Warith Deen Mohammed Veränderungen in Richtung sunnitischen Islams ein. Die Zeitung Muhammad Speaks war ein Mittel, diese Veränderungen zu vermitteln.
Am 24. Oktober 1975 erschien der neue Name Bilalian News zunächst hinter dem alten Zeitungskopf. Die Titelseite zeigte einen Gebetsrufer und die Überschrift „Master Bilal“. Der Name ehrte einen schwarzen frühen Muslim, der versklavt gewesen war und eine wichtige Aufgabe erhalten hatte.
So verband eine bestimmte amerikanische Gemeinschaft ihre Gegenwart mit der Erinnerung an Bilal. Seine Bedeutung reicht damit von den Erzählungen über die frühe muslimische Gemeinde bis zu späteren Fragen nach religiöser Orientierung und Zugehörigkeit.
Das Beitragsbild ist eine freie moderne Illustration, kein historisches Porträt Bilals.
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