Wer waren die Apostel? Die Zwölf, Matthias und Paulus erklärt

Stilisierte Gruppe von Männern in langen Gewändern als Symbolbild zu den Aposteln

Symbolbild zum Christentum und zu den ApostelnApostel sind im Neuen Testament Gesandte, die einen Auftrag erhalten. Häufig sind damit die zwölf Männer gemeint, die Jesus während seines Wirkens auswählte. Der Begriff wird aber auch weiter verwendet. Deshalb begegnen dir Paulus und Barnabas als Apostel, obwohl sie nicht zu den ursprünglichen Zwölf gehören.

Wenn du dich beim Lesen fragst, warum manchmal zwölf und dann wieder mehr Namen auftauchen, liegt das an diesen unterschiedlichen Verwendungen. Ein Blick auf die Namenslisten und die Geschichten ihrer Beauftragung bringt Ordnung hinein.

Wie heißen die zwölf Apostel?

Matthäus 10,1–8 nennt diese Zwölf:

  • Simon, genannt Petrus, und sein Bruder Andreas;
  • Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und sein Bruder Johannes;
  • Philippus und Bartholomäus;
  • Thomas und Matthäus, der Zöllner;
  • Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Thaddäus;
  • Simon, der Kananäer, und Judas Iskariot.

Die Zusatzangaben sind hilfreich, weil Namen mehrfach vorkommen. Die beiden Jakobus sind beispielsweise verschiedene Personen. Auch Judas Iskariot sollte nicht mit jedem anderen Judas im Neuen Testament verwechselt werden.

Warum sehen die Listen nicht überall genau gleich aus?

Markus 3,13–19 nennt weitgehend dieselben Personen in etwas anderer Reihenfolge. Lukas 6,12–16 führt Simon als Zeloten auf und nennt Judas, den Sohn des Jakobus, wo bei Matthäus und Markus Thaddäus steht. Judas Iskariot wird daneben eigens genannt.

Spätere Traditionen haben unterschiedlich benannte Gestalten teilweise miteinander identifiziert. Beim Lesen hilft zunächst, die tatsächlich verwendeten Namen sichtbar zu lassen. Wer die Listen nebeneinanderlegt, erkennt Unterschiede leichter, als wenn alle Fassungen vorab stillschweigend vereinheitlicht werden.

Warum gerade zwölf?

Die Zahl verbindet die Gruppe mit Israel. In Lukas 22,24–30 spricht Jesus davon, dass seine Jünger über die zwölf Stämme Israels richten werden. Im selben Gespräch wendet er sich gegen das Streben nach Größe und beschreibt Führung als Dienst.

Die Zwölf sind damit mehr als eine zufällig große Reisegruppe. Ihre Zahl und ihr Auftrag tragen innerhalb der Evangelien eine religiöse Bedeutung. Zugleich soll ihre besondere Stellung keine Erlaubnis sein, andere zu beherrschen.

Was sollten die Apostel tun?

Markus beschreibt ihre Aufgabe doppelt: Sie sollen bei Jesus sein und ausgesandt werden, um zu verkünden. In Markus 6,7–13 und 30 schickt er sie zu zweit los. Sie ziehen mit wenig Ausrüstung von Ort zu Ort, kehren zurück und berichten, was sie getan und gelehrt haben.

So erhält das Wort „Gesandte“ einen konkreten Inhalt. Die Betreffenden führen einen Auftrag aus und stehen in Beziehung zu dem, der sie geschickt hat. Jünger zu sein und einen besonderen Sendungsauftrag zu erhalten sind dabei eng verbunden, aber nicht einfach dasselbe Wort für jede Person im Umfeld Jesu.

Warum wurde Matthias nachgewählt?

Nach dem Tod von Judas Iskariot schildert Apostelgeschichte 1,15–26 die Besetzung seiner Stelle. Petrus nennt als Voraussetzung, dass der Betreffende die Gruppe von der Zeit der Taufe des Johannes bis zur Aufnahme Jesu begleitet hat und Zeuge der Auferstehung werden soll.

Zur Wahl stehen Josef Barsabbas und Matthias. Die Gemeinschaft betet und wirft Lose; das Los fällt auf Matthias. Danach wird er den elf Aposteln zugerechnet. In dieser Erzählung übernimmt also Matthias den frei gewordenen Platz, nicht Paulus.

Weshalb gelten auch Paulus und Barnabas als Apostel?

Paulus erzählt in 1 Korinther 15,3–11 von Erscheinungen des auferstandenen Jesus. Nach Kephas, den Zwölf und weiteren Personen nennt er zuletzt seine eigene Begegnung. Er bezeichnet sich als Apostel und erinnert zugleich daran, dass er die Gemeinde zuvor verfolgt hat.

In Apostelgeschichte 14,8–18 werden Paulus und Barnabas beide Apostel genannt. Als Menschen in Lystra sie als Götter verehren möchten, weisen sie diese Verehrung zurück. Sie verweisen auf den lebendigen Gott.

Der Titel reicht hier über die während Jesu Wirken ausgewählte Zwölfergruppe hinaus. Apostel zu heißen bedeutet deshalb nicht in jedem Zusammenhang, einer der ursprünglichen Zwölf gewesen zu sein.

Was ist mit Junia und Andronikus?

In Römer 16,7 grüßt Paulus Andronikus und Junia. Die New American Bible beschreibt sie als herausragend unter den Aposteln. Die English Standard Version formuliert dagegen, sie seien den Aposteln gut bekannt.

Der Unterschied ist wichtig: Die erste Lesart ordnet sie einer Apostelgruppe zu, die zweite beschreibt ihr Ansehen bei dieser Gruppe. Bei Aussagen über die Reichweite des Titels sollte diese Übersetzungsfrage deshalb sichtbar bleiben.

Was wissen wir über ihr späteres Leben?

Das Neue Testament erzählt nicht für jede Person eine vollständige Lebensgeschichte. Apostelgeschichte 12 berichtet vom gewaltsamen Tod des Jakobus, des Bruders des Johannes, und danach von der Gefangennahme und Befreiung des Petrus. Das Kapitel schildert damit unterschiedliche Ereignisse, keinen vollständigen Bericht über den Tod aller Zwölf.

Für den Einstieg reicht eine klare Unterscheidung: Die Evangelien benennen die Zwölf; die Apostelgeschichte erklärt Matthias‘ Nachwahl; weitere Texte zeigen den breiteren Gebrauch des Titels. Spätere Überlieferungen über Reisen und Todesarten müssen jeweils zusätzlich geprüft werden.

Veröffentlicht von ki-lian. Über unseren Redaktionsprozess.

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