Zoroastrier folgen einer Religion, die auf Zarathustra zurückgeführt wird. Ihr historischer Ursprung liegt im iranischen Kulturraum. Heute leben Gemeinschaften auch weit darüber hinaus. Bekannt sind unter anderem die Parsen in Südasien und zoroastrische Familien in Nordamerika.
Wie bleibt eine solche Religion lebendig, wenn Familien weit voneinander entfernt wohnen und unterschiedliche Sprachen sprechen? Das zeigt sich nicht nur an Tempeln oder Feiertagen. Ebenso wichtig sind Eltern, die ein Gebet erklären, Unterricht am Wochenende und Menschen, die gemeinsam eine Feier vorbereiten.

Woran glauben Zoroastrier?
Im Mittelpunkt steht Ahura Mazda, der „weise Herr“. Die Zoroastrian Association of North Texas erklärt den Glauben als Aufforderung, verantwortlich zwischen Gut und Böse zu wählen. Eine bekannte Kurzform lautet: gute Gedanken, gute Worte und gute Taten.
Gemeint ist mehr als freundliches Reden. Wer beispielsweise bemerkt, dass jemand unfair behandelt wird, kann sich ein eigenes Urteil bilden, sachlich widersprechen und dem Betroffenen helfen. Dieses Alltagsbeispiel macht die Verbindung von Denken, Sprechen und Handeln anschaulich.
Der Bildungsbereich des Verbands FEZANA hebt außerdem Wohltätigkeit sowie die geistliche Gleichwertigkeit und Verantwortung von Frauen und Männern hervor. Religiöses Lernen soll sich damit auch im Umgang mit anderen zeigen.
Iranische Zoroastrier und Parsen: Was verbindet sie?
Parsen sind zoroastrische Gemeinschaften, deren Geschichte sich in Südasien entwickelt hat. Iranische Zoroastrier bringen andere sprachliche und kulturelle Traditionen mit. Die gemeinsamen religiösen Grundlagen beseitigen diese Unterschiede nicht.
Das wird im Unterricht greifbar. Die FEZANA-Unterrichtsmaterialien bieten bei ausgewählten Themen sowohl iranische als auch parsische Sichtweisen an. Kinder können so verstehen, warum eine andere Familie verwandte Bräuche mit anderen Namen verbindet.
Für Außenstehende ist das eine hilfreiche Erinnerung: Eine Religion ist keine einzige überall gleich ablaufende Familiengewohnheit. Wer wissen möchte, wie ein Fest oder ein Gebet vor Ort gestaltet wird, sollte nach der konkreten Gemeinde fragen.
Was geschieht bei Navjote oder Sedreh Pushi?
Die Aufnahme in die religiöse Praxis heißt bei Parsen meist Navjote, bei iranischen Zoroastriern meist Sedreh Pushi. Der zweite Name bezieht sich auf das Anlegen des heiligen Hemdes, des Sedreh oder Sudreh.
Hinzu kommt eine heilige Schnur um die Taille, Kusti beziehungsweise Koshti genannt. Ein Unterrichtsblatt zur Aufnahmefeier beschreibt, wie Kinder sich über Monate oder Jahre mit Gebeten und Grundlagen des Glaubens vorbereiten. Familie und Freunde feiern ihren Schritt mit.
Hemd und Schnur gehören danach zum religiösen Alltag. Die Schnur erinnert nach der Erklärung des Unterrichtsblatts daran, bewusst gute Entscheidungen zu treffen. Die Aufnahmefeier ist deshalb nicht nur ein besonderer Tag mit Gästen. Sie steht am Beginn einer Praxis, die weiter gelernt und gelebt wird.
Wer bringt Kindern die Religion bei?
Meist greifen mehrere Lernorte ineinander: das Zuhause, der Gemeindeunterricht und die Begleitung durch Priester. Ein Kind kann ein Gebet zuerst von seiner Mutter hören, dessen Bedeutung später im Kurs besprechen und es vor der Aufnahmefeier mit einem Priester üben.
Eine SOAS-Befragung von 2023 zeigt diese Überschneidung. In einer Teilgruppe von 1.260 nordamerikanischen Befragten mit zwei zoroastrischen Eltern nannten rund 84 Prozent ihre Mutter als Lehrperson für Gebete und Rituale. Rund 36 Prozent nannten Lehrkräfte aus Gemeindekursen und 30 Prozent Priester oder deren Helfer. Mehrfachantworten waren möglich.
Die gesamte Befragung erhielt 5.003 Antworten von Menschen mit unterschiedlichen familiären Beziehungen zum Zoroastrismus. Die Forschenden werteten die Gruppen getrennt aus. Sie gewichteten die Daten nicht, weil verlässliche Vergleichszahlen fehlten. Die Ergebnisse zeigen Erfahrungen der Teilnehmenden, keine repräsentative Volkszählung aller Zoroastrier.
Wie können kleine Gemeinden Unterricht organisieren?
Nicht jede Gemeinde muss einen Lehrplan allein entwickeln. FEZANA stellt einen Unterrichtsplan für Sechs- bis Sechzehnjährige bereit. Die Materialien umfassen unter anderem Gebete, Feiern, Geschichte und die Gathas, die mit Zarathustra verbundenen Hymnen.
Eine gemeinsame Sammlung nimmt Ehrenamtlichen Arbeit ab. Sie können geeignete Themen auswählen und an ihre Gruppe anpassen. Wer jüngere Kinder unterrichtet, braucht andere Aufgaben als jemand, der Jugendliche über Verantwortung diskutieren lässt.
Der Leitfaden für Lehrende enthält deshalb auch Ideen für Onlineunterricht, Planungsvorlagen und Hinweise zum Aufbau eines Bildungsausschusses. Solche Hilfen sind besonders praktisch, wenn nicht alle Familien regelmäßig denselben Ort erreichen können.
Warum gibt es einen nordamerikanischen Dachverband?
FEZANA steht für die Federation of Zoroastrian Associations of North America. Seine Aufgabe ist, Vereine miteinander zu verbinden und etwa Bildung, Information und gemeinsame Interessen zu unterstützen. Die örtlichen Vereine behalten dabei ihre religiöse und organisatorische Selbstständigkeit.
Das war nicht von Anfang an einfach. Die Verbandsgeschichte erinnert an einen Versuch in Chicago von 1965 und eine weitere Initiative in den späten 1970er-Jahren. Beide führten noch nicht zu einem dauerhaften kontinentalen Zusammenschluss.
1985 wurde die Frage auf einem Kongress in Los Angeles erneut diskutiert. Manche wollten einen starken Verband, andere fürchteten um die Stimme ihrer lokalen Gemeinschaft. FEZANA wurde schließlich 1987 in Illinois registriert; die erste Jahreshauptversammlung fand 1988 in Toronto statt.
Der Unterricht ist ein gutes Beispiel dafür, was diese Zusammenarbeit ermöglicht: gemeinsame Materialien entwickeln, ohne jeder Gemeinde dieselbe Durchführung vorzuschreiben. Dafür braucht es Absprachen und Beteiligung, nicht nur einen Namen auf dem Briefpapier.
Welche Rolle spielen unterschiedliche Sprachen?
Eine Familie kann religiöse Begriffe in einer anderen Sprache kennen als ihre Nachbarn in der Gemeinde. FEZANA bietet deshalb zum Beispiel ein Gebetsbuch zum Nowruz-Fest in Englisch, Farsi und Gujarati an. Es soll ein gemeinsames Beten über verschiedene Gruppen hinweg ermöglichen.
Das zeigt eine praktische Seite religiöser Weitergabe: Vertraute Worte bewahren Nähe zur eigenen Herkunft, zusätzliche Sprachfassungen öffnen die Teilnahme für andere. Beide Anliegen können zusammenkommen.
Wer Zoroastrier kennenlernen möchte, begegnet damit einer lebendigen Religion mit unterschiedlichen Familiengeschichten. Ihre Weitergabe geschieht im Zusammenspiel von persönlicher Verantwortung, gemeinsamem Lernen und der Arbeit vieler Freiwilliger.
Bildhinweis: Das Titelbild ist eine freie Illustration einer Landschaft mit einem torähnlichen Bauwerk, keine Dokumentation eines bestimmten zoroastrischen Heiligtums.
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