Was feiern Christen an Weihnachten? Die Bedeutung einfach erklärt

Stilisierte Illustration einer erwachsenen Person und eines Kindes neben einem geschmückten Weihnachtsbaum

An Weihnachten feiern Christen die Geburt Jesu und die Überzeugung, dass Gott im Sohn das menschliche Leben teilt. Dafür steht der Begriff „Menschwerdung“, oft auch Inkarnation genannt. Das Fest ist deshalb mehr als eine Geburtstagserinnerung oder eine Geschichte über ein besonders freundliches Kind.

Wer vor einer Weihnachtskrippe steht, sieht meistens vieles auf einmal: Maria, das Kind, Josef, Hirten und Besucher mit Geschenken. Diese vertraute Zusammenstellung verbindet verschiedene biblische Erzählungen. Schaut man genauer hin, bekommt jede ihren eigenen Akzent.

Illustration zum Christentum als Hintergrund zur religiösen Bedeutung von Weihnachten

Bei Lukas: ein Retter in einer Futterkrippe

In Lukas 2,1–20 wickelt Maria ihr Kind und legt es in eine Krippe. Hirten hören von einem Engel die Botschaft seiner Geburt. Sie sollen den Retter und Herrn an einem auffallend einfachen Zeichen erkennen: einem gewickelten Kind in einer Futterkrippe.

Die große Ankündigung und die bedürftige Gestalt des Neugeborenen stehen nebeneinander. Gerade dieser Gegensatz macht die Szene eindrücklich. Das Kind braucht Versorgung und Schutz; zugleich wird ihm eine Bedeutung zugesprochen, die weit über den Augenblick hinausreicht.

Bei Matthäus: Geschenke und die Angst eines Herrschers

Matthäus 2 erzählt von Besuchern aus dem Osten. Ein Stern führt sie, und sie bringen Gold, Weihrauch und Myrrhe. Sie finden das Kind mit Maria in einem Haus. Herodes reagiert auf die Nachricht von einem neugeborenen König dagegen mit Bedrohungsgefühl und Gewaltabsicht.

Der Text nennt drei Gaben, aber nicht die Zahl der Besucher. Die bekannten drei Könige gehören zur späteren Ausgestaltung der Tradition. Eine Krippe führt sie oft mit den Hirten aus Lukas zusammen. Das kann als religiöses Bild viel erzählen, ist aber keine einzelne Szene, die in allen Einzelheiten so in einem Evangelium steht.

Die Reaktionen sind bei Matthäus entscheidend: Die Reisenden bringen Verehrung, der Herrscher fürchtet um seine Macht. Weihnachten hat damit auch eine unbequeme Seite. Die Erzählung handelt nicht allein von einer friedlichen Familienidylle.

Was bedeutet „Gott wird Mensch“?

Der Anfang des Johannesevangeliums, Johannes 1,1–18, erzählt keine Krippenszene. Er spricht vom Wort, das schon bei der Schöpfung bei Gott ist und durch das alles geworden ist. Dieses Wort wird Mensch und wohnt unter den Menschen.

Damit erklärt Johannes die Identität des Kommenden. Nach christlichem Verständnis begegnet in Jesus nicht nur ein von Gott beauftragter Bote. Die Weihnachtsfeier verbindet seine wirkliche menschliche Geburt mit der Überzeugung von seiner göttlichen Herkunft.

Dass gerade dieser Text an Weihnachten gelesen wird, zeigt beispielsweise die katholische Leseordnung für die Messe am Weihnachtstag, hier dokumentiert für den 25. Dezember 2018. Die Lesung stellt die Frage, wer das Kind ist, neben die Erzählung seiner Geburt.

Warum soll das etwas am Leben der Feiernden ändern?

In einer Weihnachtspredigt aus dem 5. Jahrhundert erklärt Leo der Große, der Sohn habe menschliche Natur angenommen, um Menschen mit Gott zu versöhnen. Er wendet sich dann dem Verhalten seiner Zuhörer zu: Ihre Würde und ihre Taufe sollen beeinflussen, wie sie leben.

Für diese Predigt ist Weihnachten also kein schönes Ereignis, das man nach der Feier wieder ablegt. Die behauptete Nähe Gottes wird zur Frage an das eigene Handeln. Der Gedanke lässt sich einfach formulieren: Wenn menschliches Leben solchen Wert hat, wie gehe ich dann mit Menschen um? Das ist eine Folgerung für das Zusammenleben, nicht nur ein Gefühl an einem festlichen Abend.

Was ein Weihnachtslied mit dem Stern macht

Ein orthodoxer Festgesang, das Troparion, greift den Stern aus Matthäus auf. Die Orthodox Church in America erläutert den Gesang zur Geburt Christi: Menschen, die Sterne verehrten, werden durch einen Stern zur Verehrung Christi geführt. Christus erscheint darin als Sonne der Gerechtigkeit.

Der Stern ist damit nicht bloß ein hübscher Hinweis am Himmel. Das Lied deutet eine Veränderung religiöser Orientierung. Eine biblische Erzählung erhält in der gemeinsamen Feier eine weitere Sprache.

Wie zeigt Kunst die Bedeutung der Geburt?

In Piero della Francescas „Geburt Christi“ aus den frühen 1480er-Jahren kniet Maria vor dem Kind. Sie hat ihren Mantel unter ihm ausgebreitet. Die National Gallery beschreibt eine toskanisch geprägte Landschaft, Hirten und musizierende Engel.

Die Geste Marias macht etwas Alltägliches sichtbar: Ein Neugeborenes braucht etwas zwischen seiner Haut und dem Boden. Daneben steht der himmlische Lobpreis der Engel. Für das Verständnis der Weihnachtsbotschaft muss man diese beiden Seiten nicht auseinanderreißen. Das hilfsbedürftige Kind und die religiöse Würdigung gehören im Bild zusammen.

Krippengeschichte, Johannestext, Festgesang und Gemälde erschließen das Fest auf unterschiedliche Weise. Gemeinsam führen sie zur christlichen Kernüberzeugung zurück: In Jesus kommt Gott dem menschlichen Leben nahe. Darin liegt die religiöse Bedeutung von Weihnachten, auch wenn Menschen das Fest heute mit sehr verschiedenen persönlichen Erfahrungen verbinden.

Veröffentlicht von ki-lian. Über unseren Redaktionsprozess.

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