Warum Muslime zur Hadsch nach Mekka pilgern

Illustration einer großen Moschee mit zwei Minaretten und einer versammelten Menschenmenge

Muslime pilgern nach Mekka, um Gott zu dienen und eine religiöse Verpflichtung zu erfüllen. Die große Pilgerfahrt heißt Hadsch, international häufig Hajj geschrieben. Sie gehört zu den fünf Säulen des Islams. Verpflichtet sind Menschen, die die Voraussetzungen dafür erfüllen – die Reise also auch tatsächlich bewältigen können.

Im Mittelpunkt steht die Kaaba, das Heiligtum in Mekka. Doch die Hadsch ist mehr als ein Besuch an einem einzigen Gebäude. Zu ihr gehören mehrere Stationen, darunter Mina und Arafat. Warum gerade diese Reise so wichtig ist, erklärt sich aus dem Koran, der Überlieferung über Mohammed und der Geschichte des Pilgerns.

Eine Pflicht mit Voraussetzungen

Illustration zum IslamIn Sure 3, Verse 96–97, wird die Pilgerfahrt zum heiligen Haus als Verpflichtung für diejenigen beschrieben, die den Weg dorthin bewältigen können. Die Zuordnung zu den fünf Säulen findet sich auch in einer Überlieferung in Sahih Muslim.

Mit „können“ ist mehr gemeint, als ein Flugticket bezahlen zu können. Die ägyptische Fatwa-Institution Dar al-Ifta nennt unter anderem körperliche Belastbarkeit, eine sichere Route und ausreichende finanzielle Mittel. Auch die Versorgung unterhaltsberechtigter Angehöriger muss berücksichtigt werden.

Ein einfaches Beispiel: Geld für die Reise zu haben, bedeutet nicht automatisch, es dafür einsetzen zu können, wenn es zu Hause für notwendige Lebenshaltungskosten gebraucht wird. Die religiöse Pflicht wird zusammen mit den tatsächlichen Lebensumständen betrachtet.

Warum ausgerechnet Mekka?

Die Bedeutung des Ortes ist mit Abraham und Ismael verbunden. Sure 2, Vers 127, erzählt, wie beide die Fundamente des Hauses errichten und Gott um Annahme ihres Tuns bitten. Es geht um einen Ort der Gottesverehrung.

Sure 3 nennt das Haus in Bakkah, das in der islamischen Tradition mit Mekka identifiziert wird, und verweist auf Abrahams Standplatz. Die Pilgerfahrt verbindet den heutigen Gottesdienst damit mit einer grundlegenden religiösen Erzählung. Die Kaaba ist das heilige Zentrum der Reise; die Verehrung richtet sich an Gott.

Mohammeds Vorbild: Eine gemeinsame Reise lernen

Wie die Pilgerfahrt ausgeführt wird, erklärt sich auch aus dem Vorbild Mohammeds. In einem ausführlichen Bericht in Sahih Muslim schildert Dschabir ibn Abdallah die Abschiedspilgerfahrt. Menschen kommen zusammen, um Mohammed zu begleiten und seinem Handeln zu folgen.

Der Bericht beschreibt das Umkreisen der Kaaba und den Weg zwischen Safa und Marwa. Später folgen Stationen in Mina und Arafat. So wird verständlich, warum die Hadsch kein beliebig gestalteter Ausflug nach Mekka ist: Sie hat festgelegte Zeiten und einen gemeinsamen rituellen Zusammenhang.

Bei Arafat wird im selben Bericht auch die Unverletzlichkeit von Leben und Eigentum betont. Die Pilgerfahrt verbindet damit Gottesdienst und die Frage, wie Menschen miteinander umgehen. Ihre Bedeutung erschöpft sich nicht darin, möglichst viele Orte hintereinander zu besuchen.

Wie Menschen die weite Reise möglich machten

Heute denkt man bei einer Pilgerreise schnell an einen Flug. Historische Objekte erinnern daran, wie aufwendig die Anreise lange war. Eine Postkarte in den Khalili Collections zeigt eine Brücke der Hedschasbahn südlich von Damaskus. Die osmanischen Behörden ließen solche Karten zur Finanzierung des Bahnbaus herstellen.

Die Bahn erreichte Medina; der dortige Bahnhof wurde 1908 eröffnet. Das erläutert der Sammlungseintrag zu einer weiteren Postkarte. Medina und Mekka sind nicht derselbe Ort. Wer zur Hadsch nach Mekka wollte, hatte von dort noch einen weiteren Reiseabschnitt vor sich.

Solche kleinen Zeugnisse zeigen die praktische Seite einer religiösen Pflicht: Verkehrswege, Geld und körperliche Ausdauer spielten eine große Rolle. Der religiöse Sinn und die Organisation der Reise gehören zur Geschichte des Pilgerns zusammen.

Was ist mit Menschen, die nicht selbst reisen können?

Auch diese Frage beschäftigt die Überlieferung. In Sahih al-Buchari 1513 fragt eine Frau, ob sie für ihren alten Vater pilgern darf, der nicht mehr sicher auf einem Reittier sitzen kann. Mohammed erlaubt es ihr.

Ein späteres Beispiel bewahren die Khalili Collections in Form einer gedruckten Pilgerbescheinigung. Sie bestätigt, dass Muhammad Bayazid die Hadsch für einen Menschen ausgeführt hat, der selbst nicht dazu in der Lage war. Die Bescheinigung ist sogar mit ihrem ursprünglichen Metallbehälter erhalten.

Das ersetzt keine persönliche religiöse Beratung zu den Voraussetzungen einer stellvertretenden Pilgerfahrt. Es zeigt aber, dass die Sorge um eingeschränkte Reisefähigkeit kein neues Problem ist. Familien suchten innerhalb ihrer religiösen Tradition nach einer Antwort.

Was die Reise zusammenhält

Die Hadsch führt nach Mekka, weil der Koran das dortige Heiligtum mit Gottesverehrung und der Verpflichtung zur Pilgerfahrt verbindet. Mohammeds Vorbild gibt der gemeinsamen Reise ihre rituelle Gestalt. Für Pilger kommen dadurch Glaube, Erinnerung, Gemeinschaft und persönliche Anstrengung zusammen.

Wer die Reise verstehen möchte, sollte deshalb beides sehen: den religiösen Sinn und die Bedingungen, unter denen ein Mensch sie unternehmen kann. Nicht jeder kann reisen. Die besondere Bedeutung der Hadsch ergibt sich gerade nicht aus einem bloßen Reiseziel auf einer persönlichen Wunschliste.

Veröffentlicht von ki-lian. Über unseren Redaktionsprozess.

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