LaVeys Satanismus: Glaube, Rituale und Unterschiede

Freie Sternillustration mit dekorativer Fantasieschrift auf dunklem Hintergrund

Beim Wort Satanismus denken viele zuerst an die Verehrung des Teufels. Beim Satanismus nach Anton LaVey führt diese Vorstellung in die falsche Richtung: Die Church of Satan versteht Satan als Symbol, nicht als übernatürliches Wesen. Im Mittelpunkt stehen das eigene Leben, persönliche Wünsche und die Abgrenzung von religiöser Autorität.

Das erklärt noch nicht alles. Zu dieser Richtung gehören auch bewusst provokante moralische Aussagen und freiwillige Rituale. Wer sie verstehen möchte, sollte sowohl ihre Selbstdarstellung als auch ihre Unterschiede zu anderen satanistischen Bewegungen kennen.

Wer war LaVey, und was ist die Church of Satan?

Anton Szandor LaVey gründete die Church of Satan 1966. Seine Satanic Bible erschien 1969 und machte seine Vorstellungen einem breiteren Publikum zugänglich. Die Literaturübersicht der Organisation nennt außerdem spätere Bücher über Rituale und weitere Aspekte seiner Weltanschauung.

Es handelt sich um eine moderne, ausdrücklich unter diesem Namen auftretende Bewegung. Das unterscheidet sie von alten Anschuldigungen, jemand verehre heimlich den Teufel. Eine Beschuldigung durch Gegner und das eigene religiöse Selbstverständnis sind unterschiedliche Dinge.

Was bedeutet Satan hier?

In ihrer Erklärung der Grundüberzeugungen bezeichnet sich die Church of Satan als atheistisch. Das heißt: Sie glaubt nicht an Götter. Satan steht für Stolz, Freiheit und die Möglichkeiten des einzelnen Menschen.

Die bekannte religiöse Figur bekommt damit eine neue Bedeutung. Was in christlichen Zusammenhängen für das Böse oder den Widersacher steht, wird hier zum Bild für Eigenständigkeit. Daraus folgt nicht, dass Christen diese Deutung teilen. Es erklärt vielmehr, warum das Symbol so stark provozieren kann.

Die Organisation beansprucht zugleich, damit den gültigen Satanismus zu vertreten. Diesen Anspruch muss man als ihre eigene Grenzziehung verstehen. Andere Gruppen verwenden den Namen anders. Für einen verständlichen Vergleich ist deshalb die Frage „Welche Richtung?“ hilfreicher als die Annahme, alle Satanisten glaubten dasselbe.

Welche Werte vertritt diese Richtung?

LaVeys neun satanische Aussagen stellen irdisches Leben und Genuss gegen religiöse Entsagung. Sie betonen Eigeninteresse und eine Güte, die denjenigen gelten soll, die ihrer nach dieser Vorstellung würdig sind.

Der Text befürwortet auch Vergeltung anstelle des Hinnehmens von Unrecht. Es wäre deshalb beschönigend, ihn einfach als allgemeine Botschaft von Liebe und Toleranz zusammenzufassen. Er widerspricht bewusst Idealen wie bedingungsloser Nächstenliebe und Selbstaufopferung.

Ob man diese Haltung überzeugend findet, ist eine eigene moralische Frage. Die Darstellung einer Glaubensrichtung muss sie nicht gutheißen. Sie sollte jedoch deutlich machen, was tatsächlich in ihren grundlegenden Texten steht.

Gibt es auch Regeln für den Umgang miteinander?

Die elf Regeln von 1967 behandeln unter anderem Eigentum, unerwünschte Ratschläge und Respekt im persönlichen Bereich anderer Menschen. Sie untersagen, kleinen Kindern Schaden zuzufügen, und schränken das Töten von Tieren auf bestimmte Situationen ein.

Daneben stehen scharfe Formulierungen zum Umgang mit störenden Gästen und Belästigungen. Beides gehört zum Text. Ein freundlich klingender Auszug allein vermittelt ebenso wenig ein vollständiges Bild wie die härteste Zeile ohne jeden Zusammenhang.

Die Organisation erklärt in ihren Grundüberzeugungen ausdrücklich, sexuelle Handlungen nur zwischen einwilligenden Erwachsenen zu befürworten und Opferhandlungen abzulehnen. Das beschreibt ihre erklärte Position. Eine konkrete Anschuldigung gegen eine Person müsste unabhängig davon anhand konkreter Belege geprüft werden.

Warum gibt es Rituale ohne einen Gott?

Das lässt sich mit einer Alltagserfahrung vergleichen: Auch eine symbolische Handlung kann Gefühle auslösen, obwohl niemand dahinter eine übernatürliche Person vermutet. Ein bewusst gestalteter Abschied kann zum Beispiel helfen, eine belastende Lebensphase als beendet zu erleben.

Die Church of Satan beschreibt ihre Rituale vor allem als inszeniertes emotionales Erleben. Kleidung, Sprache und Ablauf sollen Gefühle ausdrücken und lösen helfen. Die Teilnahme ist freiwillig. Als Grundformen nennt sie Mitgefühl, sexuelles Verlangen und das Loslassen von Wut.

Ihre Erklärung lässt außerdem Raum für Mitglieder, die an eine natürliche Fernwirkung solcher Rituale glauben. Diese Vermutung und der erklärte Zweck der emotionalen Entlastung sind auseinanderzuhalten. Die Selbstdarstellung liefert keinen wissenschaftlichen Nachweis dafür, dass Gedanken auf diese Weise andere Menschen aus der Ferne beeinflussen.

Sieht die Organisation wie eine gewöhnliche Kirche aus?

Nach ihrer Mitgliedschaftsauskunft unterhält sie weder örtliche Niederlassungen noch Kirchengebäude. Ihr früheres System lokaler Gruppen wurde aufgegeben. Wer Rituale nutzt, kann sich dafür einen privaten Raum schaffen.

Ein Buch lesen, sich mit dessen Weltanschauung identifizieren und formell Mitglied werden sind also verschiedene Schritte. Die Mitgliedschaft garantiert auch keinen Kontakt zu anderen Mitgliedern.

Eine genaue Mitgliederzahl veröffentlicht die Church of Satan laut ihrer Organisationsauskunft nicht. Aussagen über ihre heutige Größe oder ein besonders starkes Wachstum lassen sich deshalb nicht einfach aus ihrer Bekanntheit im Internet ableiten.

Ist das dasselbe wie der Satanic Temple?

Nein. Der Satanic Temple erklärt in seinen eigenen Antworten ausdrücklich, sich von LaVeys Schule zu unterscheiden. Er verwendet ebenfalls Satan als Symbol, vertritt aber eigene Grundsätze und einen eigenen politischen Aktivismus.

Seine sieben Grundsätze betonen unter anderem Mitgefühl, körperliche Selbstbestimmung und die Orientierung von Überzeugungen am wissenschaftlichen Wissen. Gemeinsame Bildsprache macht die beiden Organisationen daher nicht austauschbar.

LaVeys Satanismus zeigt, wie eine atheistische Weltanschauung religiöse Symbole und Rituale nutzen kann. Wie stark sie andere Bereiche der Gesellschaft beeinflusst, ist damit noch nicht gemessen. Auch ein provokantes Musikvideo beweist keine Mitgliedschaft. Das Beitragsbild ist eine freie Sternillustration mit Fantasieschrift, kein offizielles Abzeichen der Church of Satan.

Veröffentlicht von ki-lian. Über unseren Redaktionsprozess.

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