
Eine Menora ist ein Leuchter. Besonders bekannt ist der siebenarmige Leuchter des Jerusalemer Tempels. Sein Umriss wurde zu einem wichtigen jüdischen Symbol. Er begegnet aber auch auf Gegenständen, die selbst gar keine Leuchter sind: etwa auf einer Glasschale, einem Schmuckstück oder einem Staatswappen.
Leicht zu verwechseln ist die Menora mit dem Chanukkaleuchter. Hier hilft zuerst das Zählen: Der Tempelleuchter hat sieben Lichter. Für Chanukka gibt es acht Festlichter und ein zusätzliches Helferlicht. Danach lohnt sich ein Blick auf den Gegenstand und seinen Gebrauch.
Zum Beitragsbild: Die beibehaltene stilisierte Illustration zeigt eine ungenaue Zahl von Kerzen. Sie ist weder eine maßgetreue Tempelmenora noch ein verlässliches Beispiel für einen Chanukkaleuchter.
Wie beschreibt die Bibel den Leuchter?
Exodus 25,31–40 beschreibt einen Leuchter aus getriebenem Gold für das tragbare Heiligtum. Von einem mittleren Schaft gehen auf jeder Seite drei Arme aus. Zusammen trägt die Konstruktion sieben Lampen.
Zur Gestaltung gehören Formen von Mandelblüten, Knospen und Blütenblättern. Das macht den Leuchter auch als Bild gut erkennbar: ein mittlerer Träger, die seitlich aufsteigenden Arme und pflanzliche Details.
Die Beschreibung gibt Anhaltspunkte zum Wiedererkennen. Sie weist aber nicht jedem einzelnen Arm eine bestimmte abstrakte Bedeutung zu. Wer solche Zuordnungen hört, sollte nach der jeweiligen Auslegung und ihrer Quelle fragen.
Was macht eine Menora auf einer römischen Glasschale?
Im Metropolitan Museum of Art liegen Fragmente einer römischen Goldglasschale aus der Zeit 300–350 n. Chr. Die Darstellung zeigt zwei Menorot, also mehrere Menora-Leuchter, und einen geöffneten Toraschrein mit Schriftrollen. Dazu kommen ein Schofar und ein Etrog, eine Zitrusfrucht.
Unterhalb war ursprünglich eine Mahlzeitszene zu sehen. Auf einem Gebrauchs- oder Repräsentationsgegenstand werden hier mehrere Motive jüdischen religiösen Lebens zusammengeführt. Die zwei dargestellten Leuchter sind deshalb keine Bestandsaufnahme darüber, wie viele Menorot in einem bestimmten Heiligtum standen.
Das Beispiel zeigt einen einfachen Grundsatz beim Betrachten von Kunst: Ein religiöses Zeichen gehört zu einer ganzen Darstellung. Die Umgebung hilft, seine Verwendung zu verstehen.
Ein goldenes Medaillon mit offener Frage
Das Israel Museum beschreibt einen byzantinischen Schatzfund am Fuß des Tempelbergs. Er umfasste Münzen und Schmuck, darunter ein Goldmedaillon mit einer siebenarmigen Menora.
Der große Tempelleuchter erscheint hier als Bild auf einem tragbaren Gegenstand. Das Museum lässt zugleich offen, was die genaue Funktion und Bedeutung sämtlicher Fundstücke war. Ein deutlich erkennbares Symbol beantwortet also nicht automatisch jede Frage nach seinem früheren Gebrauch.
Was ist am Chanukkaleuchter anders?
Chanukka erinnert an die Wiedereinweihung des Tempels. Die rabbinische Überlieferung erzählt dazu vom Öl, das für acht Tage reichte. Für die acht Abende werden entsprechend acht Festlichter gebraucht. Hinzu kommt der Schamasch, das Helferlicht.
Das Jewish Museum in New York bewahrt einen großen Chanukkaleuchter mit der Inschrift 1752/53 aus Ostgalizien oder der westlichen Ukraine. Er ist etwa 1,60 Meter hoch. Seine Arme tragen abwechselnd Knospen und Blüten, die das Museum auf die biblische Beschreibung der Menora bezieht.
Ein Chanukkaleuchter kann also die ältere Tempelmenora in seiner Gestaltung aufgreifen und trotzdem für eine andere Zahl von Lichtern bestimmt sein. Ähnlichkeit und unterschiedlicher Gebrauch schließen sich nicht aus.
Muss ein Chanukkaleuchter wie ein Baum mit Armen aussehen?
Ein modernes Gegenbeispiel ist Harley Swedlers Werk priva/SEE. Es besteht aus einzelnen Aluminiumteilen mit Öffnungen für Kerzen. Sie lassen sich unterschiedlich anordnen.
Das Museum erklärt, dass die Teile für die von Abend zu Abend steigende Zahl der Festlichter und für die Helferlichter vorgesehen sind. Die religiöse Verwendung bleibt erkennbar, obwohl die geschwungenen Arme eines traditionellen Leuchters fehlen. Zum Verständnis gehört deshalb nicht nur die Form, sondern auch der Ablauf des Festes.
Warum steht die Menora im israelischen Staatswappen?
Das israelische Statistikamt beschreibt das Staatswappen mit einer Menora zwischen zwei Olivenzweigen. Der Leuchter ähnelt der Darstellung am Titusbogen in Rom. Hier wird das religiös und historisch geprägte Motiv zum Kennzeichen eines modernen Staates.
Davon zu unterscheiden ist die Standarte des israelischen Präsidenten. Sie zeigt verwandte Motive auf einem blauen Quadrat mit silberfarbenen beziehungsweise weißen Elementen. Das Staatswappen hat dagegen Schildform. Der gleiche Leuchterumriss kann somit in zwei unterschiedlichen öffentlichen Zeichen vorkommen.
Worauf lohnt sich beim Betrachten zu achten?
Frage zuerst nach der Zahl der Lichter. Schau anschließend auf das Material, die umgebenden Motive und den Zweck des Gegenstands. Ist es ein benutzbarer Leuchter, ein Bild auf einem Gefäß oder ein amtliches Zeichen?
Diese Fragen führen weiter als die Annahme, jeder verzweigte Kerzenhalter sei dasselbe. Die Menora verbindet biblische Beschreibung, jüdische Kunst und öffentliche Symbolik. Ihre Geschichte wird anschaulich, sobald man die einzelnen Gegenstände und ihren jeweiligen Zusammenhang betrachtet.
Veröffentlicht von ki-lian. Über unseren Redaktionsprozess.




