Warum teilen Muslime beim Opferfest das Fleisch?

Illustration einer Moschee mit zwei sitzenden Menschen im Abendlicht

Beim islamischen Opferfest Eid al-Adha wird Fleisch gegessen, verschenkt und an Bedürftige weitergegeben. Das Teilen gehört zum religiösen Sinn des Opfers. Die Speise soll nicht nur dem eigenen Haushalt zugutekommen. Im Koran werden das Essen und das Versorgen anderer ausdrücklich miteinander verbunden.

Das Opfertier beziehungsweise die Opfergabe heißt je nach Sprachgebrauch Udhiyah oder Qurbani. Wenn du von einer Aufteilung in drei Teile gehört hast, ist das eine verbreitete Orientierung. Um ihre Bedeutung zu verstehen, lohnt ein Blick auf die Quellen und ihre jeweiligen Aussagen.

Was sagt der Koran über das Teilen?

Sure 22,36 spricht von Opfertieren als Zeichen Gottes. Bei der Handlung soll Gottes Name genannt werden. Anschließend verbindet der Vers das eigene Essen mit der Versorgung von Menschen in Not und erinnert an Dankbarkeit.

Der folgende Vers 22,37 richtet den Blick auf die Frömmigkeit der Menschen. Weder Fleisch noch Blut gelangen zu Gott. Damit wird die religiöse Ausrichtung der Handlung erklärt. Das Opfer ist nicht einfach eine Speise, die Gott körperlich benötigen würde.

Die beiden Verse gehören zusammen: Die Haltung der Opfernden zählt, und zugleich hat die Nahrung einen praktischen Nutzen für andere Menschen. Wer nur den symbolischen Sinn betrachtet, würde diesen zweiten Teil leicht übersehen.

Warum durfte Fleisch einmal nur drei Tage aufbewahrt werden?

Eine Überlieferung in Sahih al-Bukhari 5569 erklärt eine besondere Situation. Salama ibn al-Akwa berichtet, Muhammad habe in einem Jahr angewiesen, nach drei Tagen nichts vom Opferfleisch zu behalten. Im folgenden Jahr fragten die Menschen, ob dieselbe Grenze wieder gelten solle.

Die Antwort erlaubt das Essen, das Weitergeben und das Aufbewahren. Der Bericht erklärt auch den Unterschied: Im Vorjahr hatten Menschen eine schwere Zeit durchgemacht; die Anweisung sollte ihnen zugutekommen.

Es ist also wichtig, den zweiten Teil der Geschichte mitzulesen. Aus der ersten Aussage allein könnte man eine dauerhafte allgemeine Dreitagesregel ableiten. Der Bericht selbst nennt aber die damalige Notlage als Grund.

Symbolbild zum Islam und zum Teilen beim Opferfest

Was erinnert Aischa über diese Situation?

In Bukhari 5423 wird Aischa zur Aufbewahrungsgrenze gefragt. Sie erinnert an ein Hungerjahr: Menschen mit ausreichenden Mitteln sollten andere versorgen. Zugleich berichtet sie davon, dass später ein Teil eines Schafes deutlich länger aufbewahrt wurde.

Das macht den Unterschied zwischen einer Reaktion auf akute Knappheit und dem Umgang mit Nahrung unter anderen Bedingungen greifbar. Die historische Erzählung enthält allerdings keine heutige Empfehlung zur Lebensmittellagerung. Was ein Bericht über damalige Praxis schildert, ist kein moderner Kühl- oder Haltbarkeitsplan.

Muss das Fleisch in drei exakt gleiche Teile geteilt werden?

Die ägyptische Dar al-Ifta empfiehlt in einer Auskunft von 2013 drei Anteile: einen zum eigenen Essen, einen zum Verschenken und einen als Spende. Zugleich erlaubt diese Auskunft, mehr als ein Drittel zu essen oder zu spenden. Sie bezeichnet die Aufteilung als Empfehlung.

Die Drittelregel lässt sich also als Planungshilfe verstehen: Wer soll etwas erhalten? Sie darf anhand dieser Quelle nicht als überall verbindliche Pflicht zur mathematisch exakten Aufteilung dargestellt werden. Für eine konkrete religiöse Rechtsfrage ist die jeweilige Auslegung maßgeblich.

Ein einfaches Beispiel: Ein Haushalt plant vor der Verteilung bewusst für Menschen außerhalb des eigenen Familienkreises mit. Der Sinn liegt darin, diese Empfänger nicht erst dann zu berücksichtigen, wenn zufällig etwas übrig bleibt.

Wie funktioniert die Verteilung über größere Entfernungen?

Ein dokumentiertes Beispiel ist das saudische Adahi-Projekt im Zusammenhang mit der Pilgerfahrt. Die Islamische Entwicklungsbank beschrieb 2020 ihre damalige Verwaltung des Projekts im Auftrag Saudi-Arabiens. Der Beitrag berichtet über die Verteilung von Fleisch aus der vorherigen Pilgerfahrt und über geplante Anlagen zum Zerlegen, Verpacken und Konservieren.

Diese Darstellung ist auf 2020 datiert. Sie ist keine ungeprüfte Zusage zu einem heutigen Angebot oder einer bestimmten aktuellen Spendensumme. Als Beispiel zeigt sie aber, was organisierte Verteilung verlangt: Das Fleisch muss verarbeitet, erhalten und zu den vorgesehenen Empfängern gebracht werden.

Das Pilgerprojekt ist außerdem ein bestimmter Kontext. Nicht jede Familie, die Eid al-Adha feiert, beteiligt sich an genau diesem System. Teilen kann unmittelbar in der Nachbarschaft oder durch eine Organisation stattfinden.

Was ist der zentrale Gedanke?

Beim Opferfest kommen Verehrung, Dankbarkeit und die Versorgung anderer zusammen. Die Koranverse verbinden das Opfer mit Essen und Frömmigkeit. Die Berichte über das Hungerjahr zeigen, warum die Lage der Mitmenschen den Umgang mit der Nahrung beeinflusst.

Die praktische Frage lautet deshalb nicht nur: „Wie viel bleibt für uns?“ Sondern auch: „Wie erreicht die Nahrung die Menschen, denen sie helfen soll?“ Das macht das Teilen zu einem sichtbaren Teil des Festes.

Veröffentlicht von ki-lian. Über unseren Redaktionsprozess.

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