Was ist ein Hadith? An der Gebetswaschung einfach erklärt

Stilisierte Schriftrolle mit arabisch anmutenden Zeichen als Symbolbild zu Hadith-Überlieferungen

Ein Hadith ist ein überlieferter Bericht. In islamischen Sammlungen kann er Worte Muhammads wiedergeben, eine Handlung beschreiben oder erzählen, wie jemand eine religiöse Praxis beobachtet hat. Um ihn zu verstehen, hilft eine einfache Frage: Wer berichtet hier eigentlich von wem?

Das lässt sich an der Gebetswaschung, arabisch Wudu, gut zeigen. Drei Berichte bei al-Bukhari und Muslim erzählen, wie Uthman ibn Affan die Waschung vorführt. Wir schauen uns diese Beispiele aus sunnitischen Sammlungen genauer an. Dabei geht es um das Lesen der Texte, nicht um eine vollständige Anleitung für jede muslimische Rechtstradition.

Symbolbild zum Islam und zu Hadith-Berichten

Was erzählt der Bericht über Uthman?

In Sahih al-Bukhari 159 berichtet Humran, dass er Uthman bei einer Waschung gesehen habe. Uthman lässt Wasser bringen, wäscht die Hände, spült Mund und Nase, wäscht Gesicht und Unterarme, streicht über den Kopf und wäscht die Füße. Für mehrere dieser Schritte nennt der Text drei Wiederholungen.

Anschließend gibt Uthman einen Ausspruch wieder, den er Muhammad zuschreibt. Darin werden diese Waschung und zwei aufmerksam verrichtete Gebetseinheiten mit Vergebung verbunden. Die Verheißung gehört zum religiösen Inhalt des Berichts.

Wir haben also zwei Ebenen: Humran schildert etwas, das er gesehen hat. Innerhalb dieser Schilderung zitiert Uthman Worte des Propheten. Wer beides auseinanderhält, erkennt genauer, wem eine einzelne Aussage zugeschrieben wird.

Was bedeuten Isnad und Matn?

Isnad ist die Überlieferungskette: die Folge der Personen, über die ein Bericht weitergegeben wird. Matn bezeichnet den überlieferten Wortlaut. Die Namen vor einer Erzählung sind deshalb nicht einfach eine lange Autorenzeile.

Ein alltäglicher Vergleich hilft: „Meine Nachbarin hat mir erzählt, dass ihre Schwester etwas beobachtet hat“ enthält bereits mehrere Stationen. Bei einem Hadith werden solche Stationen ausdrücklich benannt. Der Vergleich erklärt das Prinzip einer Weitergabe; er ersetzt keine fachliche Prüfung einer bestimmten Kette.

In den arabischen Texten von Bukhari 159 sowie Muslim 226a und 226b begegnen Humran, Ata ibn Yazid und Ibn Shihab. Von Ibn Shihab zu den Sammlern verlaufen unterschiedliche Wege. Mehrere Fundstellen können also teilweise gemeinsame Überlieferer haben.

Warum lohnt sich der Vergleich verschiedener Fassungen?

Muslim 226a beschreibt die rechte und linke Seite bei Armen und Füßen ausdrücklich. Uthman sagt dort außerdem, er habe Muhammad die Waschung auf diese Weise vollziehen sehen. Am Schluss folgt noch eine Einschätzung: Ibn Shihab berichtet, seine Gelehrten hätten dies als besonders vollständige Form der Gebetswaschung bezeichnet.

Dieser letzte Satz stammt in der Darstellung von Ibn Shihab und seinen Gelehrten. Wer ihn ohne Einleitung direkt Muhammad zuschreibt, verändert die Aussage des Textes.

Die kürzere Fassung Muslim 226b enthält die Waschfolge und die Verheißung zu Gebet und Vergebung, aber nicht diese abschließende Einschätzung. Man sieht daran, warum ein einzelnes Zitat am besten mit Sammlung und genauer Fundstelle versehen wird.

Wird in den Berichten immer dreimal gewaschen?

Die benachbarten Einträge bei al-Bukhari machen das Bild breiter. Bukhari 157 berichtet unter Berufung auf Ibn Abbas von einer Waschung mit einmaligem Waschen. Bukhari 158 überliefert über Abdullah ibn Zayd zweimaliges Waschen. Erst danach folgt die ausführliche Vorführung Uthmans.

Wer nur einen isolierten Satz kennt, übersieht leicht diese Nachbarschaft. Die Sammlung bewahrt mehrere Beschreibungen derselben religiösen Praxis. Wie daraus notwendige Schritte, Empfehlungen und zulässige Varianten bestimmt werden, ist eine Frage der Auslegung. Die Wiederholungszahl in einem Bericht ist nicht schon die gesamte rechtliche Antwort.

Wie unterscheiden sich Hadith und Koran?

Der Koran spricht in Sure 5,6 von der Vorbereitung auf das Gebet und nennt Gesicht, Arme, Kopf und Füße. Der Vers behandelt auch den Fall, dass Wasser nicht verfügbar ist. Die hier betrachteten Hadithe schildern dagegen konkrete Vorführungen und Überlieferungswege mit namentlich genannten Beteiligten.

Die Texte geben also unterschiedliche Arten von Information. Der Koranvers, die Beschreibungen einer Handlung und ihre Auslegung müssen sorgfältig aufeinander bezogen werden. Aus einem Vergleich weniger Berichte lässt sich nicht ohne Weiteres jede Frage zur religiösen Praxis entscheiden.

Wie lese ich einen Hadith, ohne mich in Namen zu verlieren?

  1. Notiere Sammlung und Nummer. Auf derselben Webseite können aktuelle und ältere Zählungen nebeneinander stehen.
  2. Suche den Anfang der eigentlichen Erzählung. Was wird beobachtet oder gesagt?
  3. Markiere einen Sprecherwechsel. Zitiert jemand Muhammad, einen Gefährten oder einen späteren Überlieferer?
  4. Lies verwandte Einträge mit. Eine andere Fassung kann etwas ergänzen oder weglassen.
  5. Trenne Beschreibung und Schlussfolgerung. Ein Bericht über eine Handlung und eine vollständige Rechtsauskunft sind verschiedene Dinge.

So wird ein Hadith verständlicher, ohne dass man sofort alle Überlieferer auswendig kennen muss. Am Beispiel Uthmans lassen sich Beobachtung, Weitergabe und spätere Einschätzung Schritt für Schritt auseinanderhalten. Genaues Lesen beginnt hier mit überschaubaren Fragen.

Veröffentlicht von ki-lian. Über unseren Redaktionsprozess.

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