Mekka ist die heiligste Stadt des Islam, die gemeinsame Richtung des Gebets und der Mittelpunkt der Pilgerfahrt. Die Stadt im heutigen Saudi-Arabien ist außerdem eng mit Muhammad und mit islamischen Überlieferungen über Abraham, Ismael und Hagar verbunden.
Drei Namen helfen beim Einstieg: Mekka ist die Stadt. Al-Masdschid al-Haram ist die Große Moschee. Die Kaaba ist das besondere würfelförmige Gebäude in ihrem Zentrum. Sie sind miteinander verbunden, aber nicht dasselbe.
Was tun Menschen an der Kaaba?
Bei der Umkreisung der Kaaba, dem Tawaf, gehen Pilger siebenmal gegen den Uhrzeigersinn um das Gebäude. Die offizielle saudische Pilgerplattform Nusuk beschreibt dies als Teil der religiösen Riten.
Die Handlung ist also nicht einfach ein allgemeiner Spaziergang durch Mekka oder eine Wegsuche in der Moschee. Die gemeinsame Bewegung gehört zur Gottesverehrung. Ein Foto der Kaaba zeigt dabei weder die gesamte Stadt noch schon den ganzen Ablauf einer Pilgerfahrt.
Warum beten Muslime in diese Richtung?
Koran 2:144 weist die Betenden zur heiligen Moschee. Diese Gebetsrichtung heißt Qibla. So ist Mekka auch für Menschen wichtig, die gerade zu Hause oder anderswo beten.
Die gemeinsame Richtung macht die Kaaba nicht zum Gott. Das Gebet richtet sich an Allah; der Ort gibt ihm eine gemeinsame räumliche Orientierung.
Auch dieselbe Himmelsrichtung auf dem Kompass ist damit nicht gemeint. Wer in unterschiedlichen Teilen der Welt steht, muss sich anders ausrichten, um denselben Ort anzuvisieren. Gemeinsam ist das Ziel.
Was haben Abraham und Ismael damit zu tun?
Koran 2:127 erzählt, wie Abraham und Ismael die Fundamente des Hauses errichten und Gott bitten, ihre Arbeit anzunehmen. Im islamischen Verständnis verbindet das Heiligtum die Pilger mit der Verehrung des einen Gottes lange vor Muhammad.
Das ist eine koranische Überlieferung und Teil islamischen Glaubens. Sie sollte nicht wie ein unabhängig bestimmtes archäologisches Baudatum der heutigen Kaaba formuliert werden. Religiöse Bedeutung und Fragen nach konkreten Bauphasen sind verschiedene Arten von Aussage.
Hagar, die Wassersuche und Zamzam
Sahih al-Bukhari 3364 verbindet Ismaels Mutter Hagar, auch Hadschar genannt, mit der Suche nach Hilfe zwischen Safa und Marwa, nachdem das Wasser ausgegangen ist. Der Bericht erzählt auch vom Wasser bei Zamzam.
Die Bewegung zwischen diesen Orten heißt Sa’i. Die religiöse Erzählung verbindet sie mit der Not einer Mutter und ihrem Vertrauen auf Gott. Sie ist damit mehr als eine beliebige körperliche Übung.
Die Quelle ist eine Hadithsammlung, also eine Sammlung von Überlieferungen über Muhammad. Ihre religiöse Bedeutung lässt sich erklären, ohne die wunderhaften Teile in eine ungeprüfte naturwissenschaftliche Aussage über die Wasserquelle umzuschreiben.
Welche Rolle spielte Mekka in Muhammads Leben?
Das Pluralism Project ordnet Muhammads Geburt und frühe Verkündigung in Mekka ein. 622 zog er mit seinen Anhängern nach Medina; 630 kehrte er nach Konflikten und Verhandlungen nach Mekka zurück.
Mekka und Medina haben deshalb eng verbundene, aber unterschiedliche Rollen. Ein Stadtname lässt sich nicht einfach durch den anderen ersetzen.
Sahih al-Bukhari 3 schildert den Beginn der Offenbarungserfahrung in der Höhle Hira und Muhammads anschließende Rückkehr zu Chadidscha. Muslime verstehen dies als göttliche Offenbarung; der Bericht überliefert dieses Glaubensverständnis.
Was ist die Hadsch?
Die Hadsch ist die große Pilgerfahrt zu bestimmten Tagen im islamischen Monat Dhul-Hiddscha. Sie gehört zu den grundlegenden religiösen Pflichten. Koran 3:97 verbindet die Pflicht mit der Fähigkeit, die Reise zu unternehmen.
Nusuk erklärt sie als einmalige Pflicht im Leben für Muslime, die körperlich und finanziell dazu in der Lage sind. Die Bedingung gehört zur Erklärung: Nicht jeder Mensch muss unabhängig von seiner Situation einfach losreisen.
Eine beliebige Reise nach Mekka zu irgendeinem Zeitpunkt ist daher noch nicht automatisch eine Hadsch.
Warum gehören mehrere Orte dazu?
Die Nusuk-Übersicht zur Reise nennt neben Mekka auch Mina, Arafat und Muzdalifa. Am neunten Tag von Dhul-Hiddscha steht Arafat im Mittelpunkt; anschließend folgen Muzdalifa und weitere Riten in Mina.
Die Bedeutung von Arafat betont auch Sunan Ibn Majah 3015. Eine Pilgerfahrt lässt sich deshalb nicht allein durch das bekannte Bild der Menschen um die Kaaba erklären. Unterschiedliche Orte haben im Ablauf unterschiedliche Aufgaben.
Die Rückkehr für den Pilger-Tawaf gehört in diesen größeren Zusammenhang. Die Riten richten die Aufmerksamkeit auf Gott; sie sind nicht bloß eine Besichtigung wichtiger Architektur.
Ist Ihram nur die weiße Kleidung?
Nein. Ihram bezeichnet vor allem den Zustand religiöser Weihe. Dazu gehören Absicht und bestimmte Verhaltensregeln. Die bekannte Kleidung der Männer besteht aus zwei Tüchern; die Kleidung der Frauen ist damit nicht identisch.
Nusuk unterscheidet diesen religiösen Zustand und seine Kleiderregeln. Die sichtbare Ähnlichkeit der Pilger kann die Idee von Gleichheit ausdrücken. Sie lässt Unterschiede in Gesundheit, Geldmitteln, Sprache und Erfahrung aber nicht tatsächlich verschwinden.
Wie unterscheidet sich die Umra?
Die Umra umfasst nach der offiziellen Beschreibung den Eintritt in Ihram, die Umkreisung der Kaaba, den Sa’i zwischen Safa und Marwa und abschließend das Scheren oder Kürzen der Haare.
Sie ist nicht an dieselben festen Tage wie die Hadsch gebunden. Auch die Hadsch-Stationen Arafat, Muzdalifa und Mina gehören nicht zu ihrem entsprechenden Ablauf. Verwandte Handlungen machen beide Pilgerformen nicht austauschbar.
Eine Umra erfüllt deshalb nicht allein dadurch schon die Hadsch. Das beschreibt die religiösen Unterschiede, nicht die jeweils aktuellen Reise- und Verwaltungsvoraussetzungen.
Wird der Schwarze Stein angebetet?
Sahih al-Bukhari 1597 berichtet, wie Umar den Schwarzen Stein küsst, weil er Muhammad so handeln sah. Zugleich sagt er, der Stein könne selbst weder nützen noch schaden.
In dieser Überlieferung geht es darum, einem prophetischen Vorbild zu folgen. Sie unterscheidet die Achtung für einen Gegenstand im Ritual von seiner Verehrung als Gott. Schwarzer Stein, Kaaba und Allah sind daher keine austauschbaren Begriffe.
Wie blieb Mekka Menschen fern der Stadt präsent?
Ein osmanisches Fliesenbild aus dem mittleren 17. Jahrhundert im British Museum zeigt das Heiligtum mit der Kaaba. Das Museum beschreibt außerdem Bauten für die vier sunnitischen Rechtsschulen und den eingeschriebenen Namen des Besitzers, Shehab al-Din Efendi.
Das Bild könnte an eine Pilgerfahrt erinnert haben; das Museum formuliert dies als Möglichkeit. Es zeigt, wie Mekka auch weit entfernt dargestellt und erinnert wurde. Sein historischer Grundriss sollte dabei nicht mit dem heutigen Zustand der Moschee verwechselt werden.
Mekkas Bedeutung verbindet somit tägliches Gebet, heilige Überlieferung und Pilgerpraxis. Wer die einzelnen Orte und Handlungen auseinanderhält, versteht mehr als nur das bekannte Bild einer großen Menschenmenge um ein schwarzes Gebäude.
Veröffentlicht von ki-lian. Über unseren Redaktionsprozess.




