Karma im Buddhismus: Warum die Absicht zählt

Illustration eines meditierenden Mönchs unter einem Baum

Karma bedeutet im Buddhismus absichtsvolles Handeln und steht im Zusammenhang mit dessen Folgen. Es geht darum, wie wir mit Körper, Sprache und Geist handeln. Die Lehre ist deshalb mehr als die Vorstellung, jeder bekomme irgendwann genau das zurück, was er verdient habe.

Das Sanskritwort lautet Karma, in der Sprache Pali Kamma. Die folgenden Erklärungen stützen sich vor allem auf frühe buddhistische Lehrreden in Pali und eine moderne Theravada-Auslegung. Sie sollen zeigen, welche Unterscheidungen hinter dem bekannten Wort stecken.

Warum die Absicht so wichtig ist

In AN 6.63 bezeichnet der Buddha Absicht als Kamma und unterscheidet Handeln mit Körper, Sprache und Geist. Der Ausgangspunkt ist also, was jemand willentlich tut – nicht jedes Ereignis, das ihm widerfährt.

Ein Beispiel: Jemanden bewusst mit einer falschen Information zu täuschen ist etwas anderes, als sich ehrlich zu irren. In beiden Fällen kann eine Nachricht falsch sein. Für die ethische Beurteilung spielt aber auch die Absicht eine Rolle.

Handlung und Ergebnis sind zudem nicht dasselbe. Der Text spricht über Folgen, die zu unterschiedlichen Zeiten eintreten können. Wer einen Unfall einfach „Karma“ nennt, hat noch nicht erklärt, welche Handlung gemeint sein soll oder wie der behauptete Zusammenhang belegt wäre.

Körper, Sprache und Geist sind drei Bereiche – keine drei Vorratskammern

Mit dem Körper handeln wir etwa, wenn wir jemandem absichtlich helfen oder ihn verletzen. Mit Sprache können wir unterstützen, täuschen oder verleumden. Zum geistigen Bereich gehören die Absichten, die wir pflegen.

Diese Einteilung fragt danach, wie Handeln zum Ausdruck kommt. Sie ist nicht dasselbe wie die bei manchen hinduistischen Lehrern erläuterte Einteilung in angesammeltes, bereits wirksames und neu entstehendes Karma, genannt Sanchita, Prarabdha und Agami. Unser Hinduismus-Beitrag zu Karma (derzeit auf Englisch) ordnet diese Begriffe seinen eigenen Quellen zu. Gemeinsame Wörter machen die Lehren verschiedener Religionen nicht automatisch identisch.

Gute Absicht allein beendet die Prüfung nicht

Was passiert, wenn wir etwas gut meinen und trotzdem Schaden anrichten? Die Lehrrede MN 61 an Rahula empfiehlt, Handlungen wiederholt auf ihre Folgen für sich selbst und andere zu prüfen: vorher, währenddessen und danach.

Sie behandelt auch das Eingestehen schädlichen körperlichen und sprachlichen Handelns und die Zurückhaltung für die Zukunft. Ethische Übung besteht also nicht darin, einmal „Ich meinte es doch gut“ zu sagen und anschließend nicht mehr hinzusehen.

Denken wir an eine vermeintliche Warnung über eine Kollegin, die sich als unbegründetes Gerücht herausstellt. Vor dem Weitererzählen wäre Nachprüfen sinnvoll. Während des Gesprächs kann man noch stoppen. Danach gehören Berichtigung und ein anderer Umgang mit ungesicherten Behauptungen dazu. Das ist ein heutiges Beispiel für die Struktur der Übung.

Eine andere Einteilung: vier Arten von Karma

MN 57 unterscheidet vier Arten:

  • Dunkles Handeln mit dunklen Folgen.
  • Helles Handeln mit hellen Folgen.
  • Gemischtes Handeln mit gemischten Folgen.
  • Handeln jenseits dieser Gegenüberstellung, das zum Erschöpfen von Karma führt.

Die ersten drei Kategorien werden mit schädigenden, nicht schädigenden und gemischten Handlungsweisen und Erfahrungen verbunden. Die vierte betrifft die Absicht, diese Bindungen aufzugeben. Das Ziel ist also nicht nur, möglichst viele angenehme Ergebnisse anzusammeln.

Die drei Bereiche Körper, Sprache und Geist und diese vier Arten beschreiben unterschiedliche Aspekte. Wer nach „den Arten von Karma“ fragt, sollte daher auch nach Quelle und Zweck der jeweiligen Liste fragen.

Warum eine einzelne Beobachtung keine sichere Vorhersage erlaubt

Manchmal scheint ein schlechter Mensch erfolgreich zu sein, während ein hilfsbereiter Mensch Unglück erlebt. Die Große Darlegung des Kamma, MN 136, untersucht solche scheinbaren Widersprüche anhand verschiedener Lebensweisen und Wiedergeburten.

Die Erklärungen berücksichtigen Taten zu verschiedenen Zeiten und die Haltung am Lebensende. Eine Person hat mehr getan als das eine Verhalten, das ein Beobachter gerade kennt. Der Text warnt damit davor, aus begrenzten Beobachtungen eine ausnahmslose Regel für alle Menschen zu machen.

Das bleibt eine Erklärung innerhalb der buddhistischen Wiedergeburtslehre. Sie liefert Außenstehenden keinen überprüften Lebenslauf einer fremden früheren Existenz. Besonders vorsichtig sollte man deshalb mit der Behauptung sein, das Schicksal eines bestimmten Menschen vollständig erklären zu können.

Nicht jeder Schmerz kommt ausschließlich aus früheren Taten

Die Lehrrede an Sivaka, SN 36.21, widerspricht ausdrücklich der Ansicht, alles Empfundene werde allein durch früheres Handeln verursacht. Sie nennt mehrere Bedingungen, darunter körperliche Vorgänge, Jahreszeiten und äußere Einwirkungen.

Der Text verwendet auch die medizinischen Kategorien seiner Zeit; diese sind keine Anleitung für heutige Behandlungen. Der wesentliche Punkt für das Verständnis von Karma ist die Zurückweisung einer einzigen Erklärung für alles.

Aus einer Erkrankung oder Verletzung folgt deshalb nicht, dass wir den moralischen Hintergrund der betroffenen Person kennen. Die Karma-Lehre berechtigt nicht dazu, Leidenden zu unterstellen, sie hätten ihr Schicksal verdient.

Was wird bei einer Wiedergeburt weitergeführt?

Die frühen Lehrreden verbinden Handlungen und ihre Folgen mit Wiedergeburt. Das sollte aber nicht so beschrieben werden, als wandere eine unveränderliche Seele mit einem festen Punktekonto von Körper zu Körper.

In SN 12.17 werden zwei Extreme zurückgewiesen: die Vorstellung eines bleibend identischen Handlungsträgers und die eines völlig anderen Empfängers ohne entsprechenden Zusammenhang. Stattdessen beschreibt der Text bedingtes Entstehen – eine Folge von Bedingungen, durch die Leiden entsteht und aufhört.

Zusammenhang bedeutet hier also nicht unveränderliche Substanz. Darum gehört die buddhistische Sicht auf die Person zur Erklärung von Karma dazu. Andere indische Religionsmodelle lassen sich nicht einfach einsetzen.

Was bedeutet das für den Umgang mit anderen?

Der Theravada-Lehrer Thanissaro Bhikkhu betont in seinem Essay „Karma“ die Bedeutung des gegenwärtigen Handelns. Beim Leid eines anderen Menschen richtet sich der Blick damit auf die Möglichkeit zu helfen, statt eine angebliche Vergangenheit auszumalen.

Auch die eigene Reaktion ist absichtsvolles Handeln. Wir können Gleichgültigkeit pflegen oder uns um eine hilfreiche Antwort bemühen. Das macht Verantwortung konkret, ohne zu behaupten, wir hätten jede Situation vollständig unter Kontrolle.

Zum religiösen Ziel gehört schließlich Befreiung, nicht nur eine angenehmere Zukunft. AN 6.63 verbindet das Ende von Karma mit dem Achtfachen Pfad. Unser Beitrag zum Achtfachen Pfad erklärt, wie Verstehen, Verhalten und geistige Übung dabei zusammengehören. Der greifbare Anfang bleibt die Frage: Was beabsichtige ich gerade, und was richtet mein Handeln an?

Veröffentlicht von ki-lian. Über unseren Redaktionsprozess.

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