Ein buddhistischer Mönch trägt Orange – so sieht das vertraute Bild vieler Menschen aus. Es stimmt für manche Gemeinschaften, besonders im Theravada-Buddhismus. Für alle buddhistischen Mönche und Nonnen gilt es aber nicht. Ihre Gewänder können auch ockerfarben, braun, weinrot, grau oder schwarz sein.
Die Robe gehört zu einer religiösen Lebensform. Sie macht eine Gemeinschaft erkennbar, erfüllt praktische Aufgaben und erinnert an einen einfachen Umgang mit Besitz. Eine einzige feste Bedeutung der Farbe Orange erklärt das nicht.
Warum überhaupt eine besondere Kleidung?
Das Tibetan Nuns Project erklärt Roben als sichtbares Zeichen des Ordenslebens. Sie unterscheiden die Ordensgemeinschaft von Menschen ohne Ordination. „Ordination“ meint hier die formelle Aufnahme in eine religiöse Lebensform mit bestimmten Verpflichtungen.
Ein ähnliches orangefarbenes Kleidungsstück macht jemanden deshalb noch nicht zum Mönch. Zum Zeichen gehört die tatsächliche Aufnahme und Ausbildung in einer Gemeinschaft. Auch die genauen Formen der Kleidung entwickeln sich in unterschiedlichen Traditionen verschieden.
Warum sind viele Gewänder ocker- oder safranfarben?
Die Einführung von BuddhaNet zu Mönchsgewändern beschreibt gefärbte Stoffe und verbreitete Safran- und Ockertöne. Sie nennt pflanzliche Ausgangsstoffe für Farben, etwa Wurzeln, Rinde und Blätter.
„Safranfarben“ bezeichnet dabei zunächst einen Farbton. Daraus kann man nicht schließen, dass eine heutige Robe mit dem teuren Safrangewürz gefärbt wurde. Auch die Vorstellung, jeder Orangeton müsse genau dieselbe geistliche Eigenschaft ausdrücken, greift zu kurz. Stoff, Farbe und erlaubte Ausführung gehören jeweils in die betreffende Ordensgemeinschaft.
Eine Robe wärmt auch ganz gewöhnlich
Bei religiöser Kleidung denkt man schnell nur an Symbole. Der Stoff hat aber auch eine einfache Aufgabe: den Körper bedecken und vor Wetter und anderen Belastungen schützen. Das ist im Kloster nicht weniger wichtig als anderswo.
Thanissaro Bhikkhus Darstellung der Ordensregeln zu Stoff und Kleidung nennt Schutz vor Kälte, Hitze, Insekten, Wind und Sonne. Kleidung gehört zusammen mit Nahrung, Unterkunft und Medizin zu den materiellen Grundlagen des Ordenslebens.
Die Frage ist dabei nicht, ob ein Mönch überhaupt etwas brauchen darf. Er braucht solche Dinge. Die Übung betrifft den Umgang damit: Nutzen sie der Lebensführung, oder werden sie selbst zum Mittelpunkt der Wünsche?
Was steckt hinter der „dreifachen Robe“?
Der Ausdruck meint einen Satz aus drei Kleidungsstücken, nicht einfach drei Lagen desselben Tuches. In der von BuddhaNet beschriebenen Tradition gehören ein Untergewand, ein Obergewand und ein äußeres Gewand dazu. Das äußere kann zusätzlich bei kühleren Bedingungen dienen.
Die Einführung beschreibt außerdem ein Schnittmuster, das mit den Feldern von Magadha verbunden wird. Nähte, einzelne Stücke und Schichten gehören damit genauso zur Geschichte des Gewands wie seine Farbe. Andere buddhistische Traditionen haben wiederum eigene Kleidungsformen.
Welche anderen Farben gibt es?
Das Tibetan Nuns Project nennt für tibetische Gemeinschaften und ihre Diaspora besonders Weinrot beziehungsweise Burgunderrot. In ostasiatischen Traditionen begegnen weitere Farben, darunter Grau und Schwarz. Auch innerhalb einer örtlichen Gemeinschaft kann Kleidung verschiedene Rollen kenntlich machen.
Amaravati unterscheidet in seinen öffentlichen Klosterinformationen beispielsweise ockerfarbene, braune und weiße Gewänder für unterschiedliche Gruppen. Diese örtliche Ordnung ist keine weltweite buddhistische Farbskala.
Wenn du ein Foto siehst, lässt sich die genaue Stellung einer Person deshalb oft nicht allein an der Farbe ablesen. Hilfreicher sind Angaben zum Kloster, zur Tradition und zur tatsächlichen Rolle.
Zeigt eine Robe, wie weit jemand geistlich gekommen ist?
Die Farbe beweist weder Erleuchtung noch moralische Vollkommenheit. Ein Gewand kann Zugehörigkeit und Verpflichtungen sichtbar machen. Ob und wie jemand diese Verpflichtungen lebt, ist eine andere Frage.
Stell dir eine Person vor, die gerade erst in eine Gemeinschaft aufgenommen wurde. Ihre Robe kann ähnlich aussehen wie die eines langjährig erfahrenen Mitglieds. Das äußere Zeichen sagt dann etwas über die Lebensform, aber nicht automatisch über denselben Erfahrungsschatz.
Auch einfacher Besitz entsteht nicht von selbst. Stoff muss beschafft, verarbeitet, gepflegt und irgendwann ersetzt werden. Die Ordensregeln behandeln deshalb auch Gaben von Unterstützern. Roben verbinden praktische Bedürfnisse mit Beziehungen zwischen dem Kloster und den Menschen, die es tragen helfen.
Wer buddhistische Kleidung verstehen möchte, schaut also am besten auf das ganze Leben dahinter. Ein guter nächster Schritt sind unsere Beiträge über die Aufgaben buddhistischer Mönche und darüber, warum Mönche und Nonnen ihre Köpfe rasieren.
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