Amana Church Society: Geschichte, Glaube und Gemeinschaft

Symbolische Darstellung einer weißen Kirche mit Turm in einer ländlichen Landschaft; kein dokumentarisches Bild einer Amana-Kirche

Die Amana Church Society ist die christliche Glaubensgemeinschaft der Amana Colonies in Iowa. Ihre Wurzeln liegen in der deutschen „Gemeinde der Wahren Inspiration“, die im frühen 18. Jahrhundert entstand. Bekannt wurde Amana durch gemeinschaftliches Wirtschaften in sieben Dörfern. Dieses Wirtschaftssystem endete 1932; die Kirche bestand weiter. Wer Amana verstehen möchte, sollte deshalb Glauben, historische Siedlungen und heutige Unternehmen auseinanderhalten.

Die Ähnlichkeit der Namen führt gelegentlich zu einer Verwechslung mit den Amischen. Amana gehört jedoch zur inspirationistischen Tradition, während die Amischen aus der täuferischen Bewegung hervorgingen. Deutsche Herkunft und ein schlichtes Gemeindeleben machen beide Gruppen nicht zu derselben Religionsgemeinschaft.

Was bedeutet „Wahre Inspiration“?

Inspirationisten gehen davon aus, dass Gottes Geist Menschen zu geistlichen Botschaften befähigen kann. Solche Personen wurden in ihrer Tradition als „Werkzeuge“ bezeichnet; ihre überlieferten Aussagen heißen „Zeugnisse“. Das ist eine bestimmte religiöse Vorstellung von Inspiration und keine allgemeine Bezeichnung für Kreativität.

Das Inspirationist Archive erschließt entsprechende Handschriften, Drucke und Übersetzungen. Sein Schwerpunkt liegt auf der frühen Bewegung zwischen 1714 und 1749. Unter anderem dokumentiert es Johann Friedrich Rock und die Überlieferung seiner Zeugnisse. Damit bietet es einen Zugang zu den historischen Quellen, der über die Betrachtung malerischer Dorfgebäude hinausgeht.

Bibel, Gebet und überlieferte Zeugnisse gehören in dieser Geschichte zusammen. Die religiöse Autorität eines Zeugnisses ist dabei eine Glaubensüberzeugung der Gemeinschaft. Eine historische Beschreibung kann diese Überzeugung erklären, ohne die behauptete göttliche Herkunft selbst als bewiesene Tatsache auszugeben.

Von Deutschland über New York nach Iowa

Die örtliche Darstellung der Siedlungsgeschichte verortet den Beginn 1714 im Umfeld des deutschen Pietismus. Eberhard Ludwig Gruber und Johann Friedrich Rock stehen für eine Erneuerung des Glaubens durch Gebet, Besinnung und Bibellektüre. Religiöser Druck und wirtschaftliche Schwierigkeiten trugen später zur Auswanderung bei.

In den 1840er-Jahren entstand unter Führung Christian Metz’ zunächst eine Gemeinschaft bei Buffalo im Staat New York. Sie hieß Ebenezer Society. Erst der anschließende Umzug nach Iowa führte zu den Amana-Siedlungen: 1855 begann dort der Aufbau. Die Jahreszahlen bezeichnen also verschiedene Stationen und dürfen nicht als konkurrierende Gründungsdaten derselben Institution behandelt werden.

Die sieben Dörfer heißen Amana, East Amana, West Amana, South Amana, High Amana, Middle Amana und Homestead. Homestead kam wegen des Eisenbahnanschlusses hinzu. „Amana Colonies“ bezeichnet dieses Siedlungsensemble; der Ausdruck meint keine über Iowa verteilten Ortsgemeinden mit zufällig ähnlichen Namen.

Wie funktionierte die gemeinschaftliche Wirtschaft?

Der National Park Service beschreibt das frühere Gemeinschaftsleben als ein eng verbundenes System von Arbeit und Versorgung. Mitglieder erhielten Unterkunft und Lebensnotwendiges anstelle eines gewöhnlichen Arbeitslohns. Älteste teilten Tätigkeiten nach Bedarf und Fähigkeiten zu. Landwirtschaft, Handwerk und gewerbliche Produktion trugen zum Unterhalt bei.

Gemeinschaftsküchen versorgten Gruppen von ungefähr 30 bis 40 Personen. Daneben prägten Werkstätten, Schulen und Kirchen die Dörfer. Das gemeinsame Wirtschaften war deshalb weit mehr als gelegentliche Nachbarschaftshilfe: Es regelte wesentliche Bereiche des Alltags. Arbeitsaufgaben waren auch nach Geschlecht verteilt; die historische Ordnung entsprach nicht heutigen Vorstellungen gleicher beruflicher Möglichkeiten.

Für die Einordnung sind zwei Verkürzungen wenig hilfreich. Eine ausschließlich idyllische Erzählung übersieht die soziale Kontrolle, die mit der Versorgung verbunden war. Eine rein wirtschaftliche Darstellung wiederum verfehlt, dass die Beteiligten ihre Lebensform religiös begründeten. Die Frage war für sie auch, wie ein frommes gemeinschaftliches Leben aussehen sollte.

Was änderte sich beim „Great Change“ von 1932?

Wirtschaftliche Rückschläge und Spannungen innerhalb der Gemeinschaft verschärften sich bis in die Weltwirtschaftskrise. Der National Park Service ordnet die Neuorganisation von 1932 als Trennung von Kirche und gemeinschaftlicher Wirtschaftsordnung ein: Die Kirche blieb bestehen, während die Betriebe in der Amana Society, Inc. organisiert wurden.

Damit endete nicht der Glaube der Gemeinschaft. Es änderte sich vielmehr die institutionelle Verbindung zwischen Glaubensleben und Erwerbsarbeit. „Great Change“ meint diesen grundlegenden Umbau. Die frühere Gütergemeinschaft lässt sich daher nicht unverändert auf die privaten Finanzen heutiger Gemeindemitglieder übertragen.

Auch heutige Produkte mit dem Namen Amana sind kein Glaubensbekenntnis. Ein Unternehmen, eine Kirche und ein historischer Besuchsort können miteinander verbunden sein und dennoch unterschiedliche Aufgaben, Verantwortliche und Mitgliedschaften haben. Aus dem Kauf eines Produkts folgt beispielsweise nichts über eine Zugehörigkeit zur Kirche.

Gibt es die Amana-Kirche noch?

Ja. Die eigene Website der Amana Church bezeichnet die Gemeinschaft weiterhin als „Community of True Inspiration“ und lädt zu Gottesdienst, Gebet und Lernen ein. Die beim Quellencheck sichtbaren Mitteilungen für die Woche vom 1. November 2026 nennen Sonntagsschule, einen gemeinsamen Abendmahlsgottesdienst und einen Lehrgottesdienst mit Psalmenstudium.

Solche datierten Nachrichten belegen gegenwärtiges Gemeindeleben, sind aber kein dauerhafter Veranstaltungskalender. Wer teilnehmen möchte, sollte die aktuellen Mitteilungen direkt prüfen. Ebenso wenig lässt sich aus einem einzelnen Gottesdiensthinweis eine vollständige heutige Kirchenordnung ableiten.

Historische Beschreibungen nennen schlichte Kirchenräume und die Verbindung von Bibellesung, Liedern und überlieferten Zeugnissen. Das Archiv hilft, diese Zeugnisse in ihrer eigenen Sprache kennenzulernen. Eine denkmalpflegerische Darstellung älterer Gottesdienstpraxis sollte man trotzdem nicht ungeprüft als Anleitung für jeden heutigen Gottesdienst lesen.

Worin liegt der Unterschied zu Amischen und Mennoniten?

Entscheidend ist die Herkunft der Tradition. Amische und Mennoniten gehören zur täuferischen Familie; Amana entstand im Zusammenhang mit Pietismus und Inspirationsbewegung. Ein Interesse an gemeinschaftlichem Leben kann sich überschneiden, ersetzt aber keine gemeinsame Entstehungsgeschichte. Unser Beitrag Was glauben Mennoniten? erläutert den täuferischen Zusammenhang.

Bei einem Besuch lohnt die Unterscheidung zwischen Museum und lebendiger Gemeinde. Ein historisches Gebäude erklärt eine frühere Lebensordnung. Ein Gottesdienst ist die religiöse Praxis heutiger Menschen. Beides kann zum Verständnis beitragen, doch eine touristische Vorführung repräsentiert nicht automatisch die persönlichen Überzeugungen aller Einwohner.

Häufige Fragen zur Amana Church Society

Ist Amana eine eigene Weltreligion?

Nein. Hier geht es um eine christliche Gemeinschaft mit einer besonderen inspirationistischen Geschichte. Der Name bezeichnet nicht eine Religion in derselben Größenordnung wie Christentum oder Islam.

Leben die Mitglieder weiterhin ohne Privateigentum?

Die historische gemeinschaftliche Wirtschaftsordnung wurde 1932 umgebaut. Aus Beschreibungen des 19. Jahrhunderts kann man keine entsprechenden Pflichten heutiger Mitglieder ableiten.

Zeigt das Beitragsbild eine Amana-Kirche?

Das übernommene Beitragsbild ist eine symbolische Kirchendarstellung mit Turm. Es ist kein dokumentarischer Nachweis eines Amana-Gebäudes. Gerade der Turm passt nicht zu den schlichten historischen Amana-Kirchen, die der National Park Service beschreibt.

Veröffentlicht von ki-lian. Über unseren Redaktionsprozess.

Schreibe einen Kommentar