Buddhistische Mönche: Ordination, Regeln und Alltag

Stilisierter buddhistischer Mönch in orangefarbener Robe beim Sitzen in einem offenen Raum

Ein buddhistischer Mönch ist ein ordiniertes Mitglied einer religiösen Gemeinschaft. Er verpflichtet sich zu einer bestimmten Lebens- und Übungsweise. Dazu können Meditation, Studium, Lehren, Zeremonien und praktische Arbeit gehören. Welche Regeln und Tagesabläufe gelten, hängt von der jeweiligen Tradition ab.

Wer bei einem Klosterbesuch nur still sitzende Menschen erwartet, entdeckt deshalb oft auch ganz gewöhnliche Aufgaben: putzen, kochen helfen, Gebäude pflegen oder Besucher empfangen. Das Klosterleben verbindet persönliche Übung mit Verantwortung für eine Gemeinschaft.

Ist jeder Buddhist ein Mönch?

Nein. Viele Buddhisten leben mit Familie und Beruf und haben keine Ordination. Sie können trotzdem meditieren, lernen und religiöse Verpflichtungen übernehmen. Die Mönchsordination ist ein besonderer Weg, nicht die Mitgliedskarte, die jeder Buddhist haben müsste.

Ein voll ordinierter Mönch heißt auf Pali Bhikkhu, auf Sanskrit Bhikshu. Die entsprechenden Begriffe für voll ordinierte Nonnen sind Bhikkhuni und Bhikshuni. Eine Novizin oder ein Novize befindet sich auf einer anderen Ausbildungsstufe.

Welche Regeln übernimmt ein Mönch?

Der Vinaya ist die überlieferte Ordensdisziplin. Eine wichtige Regelsammlung darin heißt Patimokkha. Bhikkhu Ariyesakos Einführung für Laien erläutert den Theravada-Rahmen mit 227 Hauptregeln für voll ordinierte Mönche.

Sie betreffen unter anderem sexuelle Enthaltsamkeit, Besitz, Essen, Wahrhaftigkeit und das Zusammenleben. Diese Zahl gilt nicht unterschiedslos für alle buddhistischen Linien und auch nicht als Regelzahl für Nonnen. Mönchsleben besteht außerdem nicht bloß aus den fünf ethischen Grundregeln, die viele buddhistische Laien kennen.

Ariyesako beschreibt auch die gemeinsame Rezitation der Regeln ungefähr alle zwei Mondwochen und Verfahren bei Streit. Disziplin ist damit eine Angelegenheit der Gemeinschaft, nicht nur ein privater Vorsatz.

Wie sieht ein Tag im Kloster aus?

Ein konkretes Beispiel bietet Amaravati in Großbritannien, ein Kloster der Theravada-Tradition. Sein veröffentlichter Tagesplan beginnt mit gemeinsamer Meditation und Rezitation. Danach folgen Reinigungsarbeiten, eine Arbeitsphase, die Mahlzeit sowie Zeit für persönliche Übung und Studium. Abends kommt die Gemeinschaft wieder zusammen.

Solche Aufgaben gehören zur Praxis. Wer einen gemeinschaftlichen Raum reinigt oder mit anderen eine Arbeit abstimmt, übt auch Aufmerksamkeit und Zusammenarbeit. Ein ruhiger Tagesplan macht notwendige Arbeit nicht überflüssig.

Andere Gemeinschaften setzen andere Schwerpunkte, etwa intensives Studium, lange Meditationszeiten oder religiöse Feiern. Aus dem Plan eines einzelnen Klosters sollte man deshalb keinen weltweit verbindlichen Stundenplan machen.

Wann essen buddhistische Mönche?

In der hier beschriebenen Theravada-Disziplin wird die gewöhnliche Tagesmahlzeit vor Mittag beendet. Amaravatis Hinweise für Speisegaben erklären diese Grenze ausdrücklich.

Wer Essen anbieten möchte, sollte die örtlichen Hinweise lesen oder vorher nachfragen. Unterschiedliche Gemeinschaften haben unterschiedliche Abläufe. Auch Gäste müssen nicht automatisch in jeder Hinsicht dieselben Verpflichtungen wie ordinierte Bewohner einhalten.

Leben alle buddhistischen Geistlichen unverheiratet?

Sexuelle Enthaltsamkeit gehört zu der oben beschriebenen vollen Mönchsdisziplin. Aber deutsche Wörter wie „Mönch“ oder „Priester“ können verschiedene buddhistische Rollen zusammenziehen.

Die japanische Nichiren Shu erklärt in ihren eigenen Fragen und Antworten, dass ihre Geistlichen heiraten dürfen. Daraus folgt weder, dass alle buddhistischen Ordinierten heiraten dürfen, noch dass jeder japanische Priester denselben Status wie ein Theravada-Bhikkhu hat. Die jeweilige Tradition macht den Unterschied.

Können auch Frauen ordiniert werden?

Ja. Buddhistisches Ordensleben umfasst auch Nonnen. Welche Wege zur Ordination bestehen und wie sie anerkannt werden, unterscheidet sich zwischen Linien und Institutionen.

Die Sravasti Abbey in den USA beschreibt zum Beispiel einen Ausbildungsweg für Frauen und Männer. Auf Besuche und längeres Kennenlernen kann eine formelle Vorbereitungszeit folgen. Danach kommen gegebenenfalls Novizen- und volle Ordination.

Die Abtei betont ausdrücklich, dass die Vorbereitung nicht zwangsläufig zur Ordination führen muss. Sie hilft bei der Entscheidung, ob diese Lebensweise passt. Den Alltag miteinander zu teilen und Rückmeldungen zu erhalten, ist etwas anderes als ein kurzer Meditationskurs.

Wie wird man buddhistischer Mönch oder buddhistische Nonne?

Die Antwort hängt vom Ort und von der Ordinationslinie ab. Beim Beispiel Sravasti gehören Lernen, Gemeinschaftsleben und die Prüfung der eigenen Motivation zusammen. Die dortigen Schritte und Zeiträume sind kein allgemeines Bewerbungsverfahren für alle Klöster.

Wer sich dafür interessiert, sollte sich bei einer konkreten Gemeinschaft über Voraussetzungen und Begleitung informieren. Ein Besuch, ein Retreat, eine vorbereitende Wohnzeit und eine Ordination bedeuten unterschiedlich weitreichende Verpflichtungen. Es ist sinnvoll, diese Schritte schon vor einer Entscheidung auseinanderzuhalten.

Wovon lebt eine solche Gemeinschaft?

Laien und Ordinierte unterstützen einander etwa durch Lehren, Mithilfe und freiwillige Gaben, oft Dana genannt. Amaravatis Besucherinformationen erläutern die Abhängigkeit von freiwilliger Unterstützung und örtliche Regeln. Die dortigen Mönche und Nonnen nehmen beispielsweise nicht selbst Geld an.

Wer helfen möchte, sollte deshalb den vorgesehenen Weg der jeweiligen Einrichtung nutzen. Ein religiöser Titel allein sagt noch nichts über die Ausbildung oder Verlässlichkeit einer Person. Nach Zuständigkeiten, Regeln und Ansprechpersonen zu fragen, gehört zu einem aufmerksamen Kennenlernen.

Beweisen Robe und rasierter Kopf Erleuchtung?

Nein. Ordination bezeichnet einen religiösen Status und eine Verpflichtung zum Üben. Sie beweist nicht von selbst eine geistliche Verwirklichung.

Das Rasieren des Kopfes gehört in vielen Gemeinschaften zur Disziplin und zum Ausdruck des Verzichts. Es macht aus jeder Person mit kurzem Haar aber noch keinen Mönch. Erst der konkrete Zusammenhang erklärt die Bedeutung.

Wer buddhistisches Ordensleben verstehen möchte, schaut deshalb am besten auf eine benannte Gemeinschaft: ihre Ordinationslinie, ihren Alltag und den Umgang ihrer Mitglieder miteinander. Das sagt mehr aus als eine Robenfarbe oder eine einzelne beeindruckende Regelzahl.

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Veröffentlicht von ki-lian. Über unseren Redaktionsprozess.

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