Die Robe und der rasierte Kopf machen viele buddhistische Mönche und Nonnen sofort erkennbar. Die Rasur gehört in zahlreichen Klöstern zum Ordensleben. Sie steht für Einfachheit und den Entschluss, bestimmte Gewohnheiten des bisherigen Alltags hinter sich zu lassen.
Es geht dabei nicht bloß um eine praktische Frisur. Haare sind häufig mit Schönheit, persönlichem Stil oder gesellschaftlichem Ansehen verbunden. Darauf bewusst zu verzichten, kann eine religiöse Entscheidung sichtbar machen. Zum Buddhismus gehört aber auch eine große Gemeinschaft von Menschen, die außerhalb eines Klosters leben. Sie müssen sich dafür nicht den Kopf rasieren.
Was bedeutet der rasierte Kopf?
Das buddhistische Kloster Amaravati erklärt die Rasur als Zeichen von Entsagung und Einfachheit. „Entsagung“ meint hier: bestimmte vertraute Ansprüche loslassen, um das eigene Leben auf die religiöse Übung auszurichten.
Im Alltag kann das heißen, weniger Aufmerksamkeit auf das eigene Aussehen zu richten. Welche Frisur passt zu mir? Wirke ich damit interessant oder erfolgreich? Solche Fragen verlieren im Kloster bewusst an Bedeutung. Die gemeinsame äußere Form erinnert an eine gemeinsame Lebensentscheidung.
Das Zeichen wirkt allerdings nicht wie ein Schalter. Wer sich die Haare abrasiert, ist dadurch weder frei von Eitelkeit noch erleuchtet. Die eigentliche Übung betrifft weiterhin Denken, Sprechen und Handeln.
Ist die Rasur eine richtige Ordensregel?
Ja, im Theravada-Ordensleben gehört sie zur religiösen Disziplin. Die zugehörigen Regeln werden Vinaya genannt. Sie betreffen viele Bereiche des Zusammenlebens und der persönlichen Lebensführung, nicht nur das Aussehen.
Thanissaro Bhikkhus Handbuch „The Buddhist Monastic Code II“, Kapitel 1, erläutert die Vorgaben zum Kopfhaar. Dort heißt es sinngemäß: Es soll spätestens nach zwei Monaten oder beim Erreichen von zwei Fingerbreiten Länge rasiert werden. Nach der erläuterten Auslegung zählt die Grenze, die zuerst erreicht wird.
Das bedeutet nicht, dass alle zwei Monate grundsätzlich der feste Rasurtag wäre. Ein Kloster kann häufigere gemeinsame Termine haben. Das Handbuch nennt etwa einen thailändischen Brauch, sich vor dem Vollmond gemeinsam zu rasieren. Ordensregel und örtlicher Zeitplan sind also zwei verschiedene Ebenen.
Warum gerade die Haare?
Wer lange dieselbe Frisur getragen hat, kennt das Gefühl: Ein anderer Haarschnitt verändert das eigene Erscheinungsbild stark. Im religiösen Zusammenhang kann die Rasur deshalb den Schritt aus dem bisherigen Leben besonders deutlich machen.
Bhikkhu Ariyesakos Einführung in die Regeln für Mönche verbindet sie mit dem „Hinausziehen“ aus dem Leben eines Haushalters. Das bedeutet den Eintritt in eine andere Lebensform, mit entsprechenden Verpflichtungen.
Der Leitfaden beschreibt außerdem Kopfhaar als einen der Körperbestandteile, über die im Zusammenhang mit der Ordination nachgedacht wird. Auch graue Haare werden dort zum Anlass, Alter und Vergänglichkeit wahrzunehmen. In der erläuterten Disziplin sollen sie nicht gefärbt oder ausgezupft werden. Daraus folgt kein Urteil über Menschen außerhalb des Ordens, die ihre Haare anders gestalten.
Gilt das auch für buddhistische Nonnen?
Ja. Auch viele buddhistische Nonnen tragen einen rasierten Kopf. Das Zeichen ist nicht ausschließlich männlich. Die Einzelheiten der Ausbildung und Ordination hängen allerdings von der jeweiligen Gemeinschaft ab.
Die Sravasti Abbey beschreibt das Ordensleben als bewusste Selbstdisziplin mit ethischen Regeln, Studium, Übung und Dienst an anderen. Sie unterscheidet auch zwischen verschiedenen Ordinationsstufen und Regeltraditionen. Eine sichtbare Glatze verrät deshalb noch nicht, welche Verpflichtungen jemand genau übernommen hat.
Der Buddhismus ist weltweit vielfältig. Wer ein bestimmtes Kloster verstehen möchte, sollte dessen eigene Regeln anschauen. Eine Erklärung aus dem Theravada-Buddhismus lässt sich nicht einfach als vollständige Beschreibung jeder anderen buddhistischen Schule verwenden.
Müssen alle Buddhisten so aussehen?
Nein. Man kann meditieren, buddhistische Lehren studieren, einen Tempel besuchen und sich um ein achtsames Leben bemühen, ohne Mönch oder Nonne zu werden. Die Sravasti Abbey nennt ausdrücklich auch die Gemeinschaft der Laien, also der Menschen ohne Ordination.
Für den Einstieg brauchst du deshalb keine bestimmte Frisur. Wer einen Tempel oder ein Kloster besucht, folgt dessen Besuchshinweisen. Kleidung und Verhalten sind dabei oft wichtiger als die Frage, ob man so aussieht wie die dort lebenden Ordensmitglieder.
Falls dich eine längere Zeit im Kloster oder eine Ordination interessiert, kläre die Voraussetzungen direkt mit der Gemeinschaft. Eine solche Entscheidung umfasst viel mehr als eine Rasur. Der äußere Schritt gehört dann zu einer Lebensform, die man vorher kennenlernen sollte.
Loslassen lässt sich nicht am Haarschnitt messen
Vielleicht hilft dieses Bild: Eine Sportkleidung kann an das Training erinnern, aber sie ersetzt die Bewegung nicht. Ähnlich kann eine religiöse äußere Form eine Entscheidung unterstützen. Sie beweist nicht, dass die damit verbundene innere Arbeit bereits getan wäre.
Beim rasierten Kopf kommen also ein sichtbares Zeichen und eine verbindliche Übung zusammen. Wer mit dem Buddhismus beginnen möchte, findet einen alltagstauglichen ersten Zugang in unserer Einführung in buddhistische Meditation.
Veröffentlicht von ki-lian. Über unseren Redaktionsprozess.




