Glauben Buddhisten an Gott? Schöpfer, Götter und Verehrung

Stilisierte Darstellung eines sitzenden Buddha auf einem Lotus vor einer grünen Waldlandschaft

Der Buddhismus lehrt gewöhnlich keinen ewigen, allmächtigen Schöpfergott. Dennoch kennen viele buddhistische Traditionen Götterwesen, andere Daseinsbereiche und eine ausgeprägte religiöse Verehrung. Ein vergänglicher Deva, ein erwachter Buddha und ein Schöpfer des gesamten Universums haben dabei unterschiedliche Rollen. Wer diese Begriffe unterscheidet, versteht auch besser, warum Buddhafiguren und Gebete den Buddhismus nicht automatisch zu einer Schöpferreligion machen.

Die Frage „Glauben Buddhisten an Gott?“ braucht deshalb eine Rückfrage an den Begriff. Geht es um den Ursprung der Welt, um himmlische Wesen, um Befreiung oder um persönliche Religiosität? Die Antwort hängt auch von der jeweiligen Schule und Gemeinschaft ab.

Der Ausgangspunkt ist die Überwindung von Dukkha

Die Lehrrede SN 56.11 über das Ingangsetzen des Dhamma-Rades stellt die Vier Edlen Wahrheiten und den Edlen Achtfachen Pfad vor. Sie behandelt Dukkha, dessen Entstehung, dessen Aufhören und den Weg dorthin. Dukkha umfasst unter anderem Leiden und die Unzulänglichkeit vergänglicher Bedingungen; es bedeutet nicht, dass jeder Augenblick ausschließlich schmerzhaft wäre.

Der Weg verbindet Einsicht, ethisches Verhalten und geistige Schulung. In dieser Darstellung beruht Befreiung nicht auf der Unterwerfung unter einen allmächtigen Schöpfer. Entscheidend ist das Erkennen und Überwinden der Ursachen des Leidens.

Das macht den Buddhismus nicht automatisch zu einer rein weltlichen Philosophie. Die Lehrrede steht selbst in einem religiösen Überlieferungszusammenhang, der Erwachen und Befreiung in einem umfassenden Sinn versteht.

Warum wird ein ewiger Schöpfer nicht angenommen?

Der Theravada-Mönch Nyanaponika Thera erklärt in Buddhism and the God-idea, warum er einen ewigen, allmächtigen persönlichen Schöpfer als unvereinbar mit den Lehren des Pali-Kanons beurteilt. Auch die Vorstellung einer universalen Weltseele weist er im Zusammenhang mit Nicht-Selbst, anatta, zurück.

Damit wird nicht lediglich ein bekannter Gott durch eine andere höchste Person ersetzt. Die Ursachen und Bedingungen des Daseins werden innerhalb eines anderen Deutungsrahmens verstanden. Nyanaponikas Erklärung ist eine buddhistische Lehrargumentation, keine naturwissenschaftliche Versuchsanordnung, die jede mögliche Verwendung des Wortes „Gott“ widerlegt.

Die buddhistische Bildungsplattform BuddhaNet erläutert die nichttheistische Position unter anderem anhand von Fragen nach Allmacht, menschlicher Verantwortung und Leiden. Solche Einwände gehören zur Religionsphilosophie. Eine sachliche Darstellung kann sie erklären, ohne daraus eine pauschale Abwertung anderer Religionen zu machen.

Devas sind keine unsterblichen Weltschöpfer

Traditionelle buddhistische Kosmologien enthalten Devas, häufig als Götter oder Himmelswesen übersetzt. Nyanaponika unterscheidet ausdrücklich die Ablehnung eines höchsten Schöpfers von der Anerkennung höherer Wesen in den Schriften. Nach diesen Lehren sind auch solche Wesen vergänglich und in den Kreislauf bedingten Daseins eingebunden.

Eine günstige himmlische Existenz ist daher nicht dasselbe wie endgültige Befreiung. Hoher Rang, langes Leben oder außergewöhnliche Fähigkeiten ersetzen nicht die befreiende Einsicht eines Buddha. Das unterscheidet diese Göttervorstellung von einem ewigen Schöpfer außerhalb der Welt.

Moderne Buddhisten interpretieren kosmologische Aussagen unterschiedlich. Das Selbstverständnis einer bestimmten Person lässt sich deshalb nicht vollständig aus einer allgemeinen Darstellung traditioneller Daseinsbereiche ableiten. Es lohnt sich, zwischen Textüberlieferung, offizieller Lehre und individueller Überzeugung zu unterscheiden.

Eine Lehrgeschichte über die Grenzen himmlischer Autorität

In DN 11, dem Kevatta-Sutta, sucht ein Mönch eine Antwort auf eine Frage über die vier großen Elemente. Er wendet sich an immer höher gestellte Himmelswesen und schließlich an den Großen Brahma.

Brahma antwortet zunächst mit großartigen Titeln, die umfassende Macht und Erkenntnis nahelegen. Abseits seiner Gefolgschaft gesteht er jedoch, die Antwort nicht zu wissen, und verweist den Mönch zurück an den Buddha.

Die Erzählung führt einen konkreten Unterschied vor: Himmlischer Status garantiert keine letzte Erkenntnis. Sie ist ein religiöser Lehrtext und kein unabhängig bestätigter Reisebericht aus jenseitigen Welten. Ihre Aussage erklärt aber, warum das Auftreten von Göttern in einer buddhistischen Schrift noch keine Lehre von einem allwissenden Schöpfer begründet.

Ist der Buddha dann selbst ein Gott?

Gautama Buddha gilt in den frühen Lehrreden als Erwachter und Lehrer des Weges, nicht als Urheber des Universums. Ihn deshalb nur als gewöhnlichen Philosophen zu bezeichnen, würde die religiöse Bedeutung von Buddhaschaft ebenfalls verkürzen.

Verehrung kann sich in Verbeugungen, Gaben, Festen und Bildern ausdrücken. Aus der äußeren Form allein lässt sich nicht erschließen, ob eine Gemeinschaft einen Schöpfergott annimmt. Zu fragen ist, wem die Verehrung gilt und welche Eigenschaften dieser Gestalt zugeschrieben werden.

In Mahayana-Traditionen spielen außerdem mehrere Buddhas und Bodhisattvas eine Rolle. Ein Bodhisattva steht im Zusammenhang des Weges zur Buddhaschaft und des Wohls der Wesen. Auch dieser Begriff ist nicht einfach ein anderes Wort für einen universalen Schöpfer.

Reines Land: Vertrauen und Hilfe haben einen wichtigen Platz

Die von BDK herausgegebenen drei Reines-Land-Sutras gehören zu den Grundlagen entsprechender ostasiatischer Schulen. Schon diese eigenständige Texttradition warnt davor, den gesamten Buddhismus auf einsame Meditation ohne Verehrung und Vertrauen zu reduzieren.

Die Jodo Shinshu Hongwanji-ha erläutert ihre Lehre durch das vertrauende Herz, Amidas Mitgefühl und die Wirkung des ursprünglichen Gelübdes. Das Sprechen des Namens, Nembutsu, und Dankbarkeit gehören zum beschriebenen Lebensweg. Die Gemeinschaft grenzt ihre Praxis zugleich von einem Leben ab, das auf Bittgebet und Aberglauben setzt.

Diese konkrete Selbstdarstellung unterscheidet sich von einem Bild buddhistischer Religion als ausschließlich eigener Willensleistung. Amida wird dadurch aber nicht zum Schöpfer des Universums. „Vertrauen“, „Verehrung“ und „Gott“ dürfen im Religionsvergleich nicht ungeprüft gleichgesetzt werden.

Ist Karma ein Ersatz für Gottes Gericht?

AN 6.63 stellt Absicht ins Zentrum von Karma: Absichtliches Handeln wird durch Körper, Sprache und Geist vollzogen. Karma ist in diesem Zusammenhang kein persönlicher Richter, der Menschen nach Laune belohnt oder bestraft.

Ebenso ungenau wäre die Behauptung, jedes Leid beweise früheres Fehlverhalten. SN 36.21, das Sivaka-Sutta, weist die Auffassung zurück, jede Empfindung sei vollständig durch früher Getanes verursacht. Der Text nennt unterschiedliche Bedingungen und richtet sich gegen eine einseitige Erklärung.

Daraus folgt eine wichtige Grenze im Umgang mit Menschen: Eine allgemeine Karmalehre erlaubt keinem Außenstehenden, aus einem Unglück zuverlässig die angebliche Schuld der betroffenen Person abzulesen. Verantwortung und Mitgefühl sollten durch solche Vereinfachungen nicht verdrängt werden.

Atheistisch oder nichttheistisch?

„Nichttheistisch“ ist hilfreich, wenn damit gemeint ist, dass der Weg nicht auf einem ewigen Schöpfergott beruht. „Atheistisch“ kann missverständlich sein, wenn Lesende darunter die Ablehnung sämtlicher Götterwesen, Rituale und religiöser Erfahrungen verstehen.

Ein präziser Einstieg definiert daher zuerst den Begriff und betrachtet dann eine konkrete Schule. Wer dazu weiterlernen möchte, findet Orientierung in unseren Buddhismus-Büchern für Einsteiger. Die Unterschiede zwischen Schöpfer, Deva, Buddha und Bodhisattva sind dabei ein hilfreicher Anfang, um religiöse Praxis ohne vorschnelle Gleichsetzungen zu verstehen.

Veröffentlicht von ki-lian. Über unseren Redaktionsprozess.

1 Kommentar zu „Glauben Buddhisten an Gott? Schöpfer, Götter und Verehrung“

Schreibe einen Kommentar